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Nedzada und Dominik: Unterwegs im Olten der Türkei

Nach langer Fahrt, kamen wir schliesslich um zwei Uhr morgens in Trabzon an, wo wir unsere Unterkunft zum Glück direkt am Busbahnhof hatten.

Am nächsten Morgen wachten wir dann im Olten der Türkei auf. Der Vergleich bezieht sich dabei vor allem auf die wenig ansehnliche äussere Erscheinung der Stadt, aber auch auf deren Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt.

Wir brachen dann auch schon am Vormittag in die schönere Gegend der Region Trabzon auf. Mit dem Dolmuş ging es in die Berge vor der Stadt, wo wir das Sumela Kloster besuchen wollten. Hatten wir bis Maçka, dem letzten Dorf vor dem Kloster, noch einen Sitzplatz, ging es für den Rest des Weges auf einem “Tabure“, einem kleinen Holzhocker im Gang, weiter. Dafür mussten wir nicht auf den späteren Bus warten. Zudem wurden wir vom Busfahrer mit einem Schokoladenriegel entschädigt.



Das Sumela Kloster ragt in einem bewaldeten Tal beeindruckend aus einer Felswand empor. Mönche sind dort aber seit dem türkisch-griechischen Bevölkerungsaustausch von 1926 keine mehr zu finden.



Auf einer atemberaubenden Strecke ging es den Hängen entlang mit dem Bus bis auf die Höhe des Klosters. Das Kloster selbst war dann gar nicht so spektakulär, da es ziemlich von Touristen überlaufen ist und man ausser einem Blick in den Hof von einer Terasse aus auch nicht viel sehen kann. Viel schöner war dann der Weg den Berg abwärts zurück zum Bus. Dieser wartete bei einer Ansammlung von Restaurants, Ramschläden und Imbissbuden in der Talsohle. Dies alles wollte so gar nicht in diese schöne Landschaft passen. Trotzdem hatte sich der Ausflug in die wunderschönen Berge Trabzons und zum altehrwürdigen Kloster definitiv gelohnt.



Bevor der Bus wieder losfuhr, unterhielten wir uns mit unserem Chauffeur und lernten eine palästinensische Familie kennen, die in Kuwait lebt. Während der Chauffeur, nachdem er erfuhr, dass wir mit dem Zug nach Istanbul gekommen waren, völlig aus dem Häuschen war und es gar nicht glauben konnte, erzählte uns der Vater der Familie von seinen Zugerlebnissen.

In den 1980er Jahren war er etwa im damals sehr vornehmen Nachtzug von Istanbul nach Polen gereist. Die Tochter Rand half uns derweilen unsere nächste Challenge zu lösen, nämlich jemanden zu finden, der oder die einen Gastbeitrag für unseren Blog verfasst. Dabei war es alles andere als einfach, jemanden zu finden der oder die nicht nur Türkisch spricht. Wir waren also entsprechend glücklich, aber nun zu Rands kurzem Beitrag:


My name is Rand, and today I met Nedzada and Dominik in Sumela, an area in Trabzon. As I understood from their story, they are people who care about nature. They told me that they reached Turkey by using public transportation that don‘t cause harm to the nature. That certainly amazed me. Moreover, I believe that the middle eastern countries need to consider this too.


Gastautorin Rand

Als wir am späten Nachmittag wieder in Trabzon ankamen, erkundeten wir die Stadt. Es fand gerade ein öffentliches Konzert statt, dass für unsere Ohren aber viel zu laut war. Den nicht mehr ganz so sensiblen Rentnern im Publikum schien es aber zu gefallen.



Wir spazierten über den Markt und an der Meerpromenade entlang, die vor allem aus Autobahn besteht. Unser Ziel war dabei die Hagia Sophia von Trabzon, eine ursprünglich byzantinische Kirche, die heute als Moschee dient. Da die Strecke aber schon ein paar Kilometer ausmachte, legten wir dazwischen noch einen Verpflegungsstopp ein. Weil der Kellner den Tisch immer mit neuen Speisen füllte, die anscheinend alle zum ganz normalen Menu gehörten, erreichten wir unser Ziel jedoch erst bei Sonnenuntergang.



Wir waren aber nicht die letzten Besucher und konnten unsere Besichtigung noch erfolgreich durchführen. Zurück zum Hotel ging es dann mit dem Dolmuş, wobei wir zwei Dinge über Dolmuşfahrer in der Stadt Trabzon lernten: sie fürchten sich nicht vor dem Tod im Strassenverkehr und kennen jede Menge Flüche und Beleidigungen, um die anderen Verkehrsteilnehmer damit einzudecken.



Am nächsten Morgen ging es dann weiter in die Berge. Wohin es ging und was es mit Bären und Wölfen auf sich hat, erfahrt ihr im nächsten Blog.



Unser heutiger Tipp fürs nachhaltige Reisen in der Türkei ist folgender: Der türkische Tourismus wird vom Massentourismus dominiert. Individualreisen sind sehr anspruchsvoll. So gibt es keine Wanderkarten oder einfache Wege sich etwa in den Nationalparks (ohne Auto) selbständig zu bewegen. Darum bereitet euch unbedingt vor. Ladet euch Apps mit Kartenmaterial herunter und informiert euch vorher gut, was ihr vor Ort genau unternehmen wollt. So seid ihr vorbereitet und nicht von geführten Bustouren abhängig. Denn auch wenn das selbständige Reisen mitunter ein wenig abenteuerlich werden kann, ist es sehr lohnenswert.

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