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Nedzada und Dominik: Gedanken zum alltäglichen Leben in Istanbul

Nach einem türkischen Frühstück, welches so „türkisch“ war, dass uns der Kellner einen zweiten Tisch dazustellen musste, starteten wir in unseren letzten Tag in Istanbul. Den Tag verbrachten wir ziemlich gemütlich. Wir bummelten etwas durch die Stadt und setzten uns schliesslich in ein Café, um die nächsten Tage unserer Reise zu planen. Durch das treiben auf der Strasse vor dem Café, kamen wir in ein Gespräch, über nachhaltiges Leben in Istanbul.



An diesem Tag war nämlich auch der Earth Overshoot Day. Das heisst alle natürlichen Ressourcen, die der Menschen pro Jahr aus der Natur abschöpfen kann, ohne sie nachhaltig zu schädigen, wurden bereits bis zu diesem Tag verbraucht. Ab jetzt leben wir alle auf Kosten der kommenden Generationen.

Jedes Mal, wenn wir nach Istanbul kommen, fällt uns auf wie viel Abfall auf den Strassen, in den Parks, aber auch in den Gewässern zu finden ist. Der Verbrauch an Einwegplastik ist massiv, eine Mülltrennung gibt es nicht und ein Bewusstsein unter der Bevölkerung für den Natur- und Klimaschutz ist kaum vorhanden. So hatte die Türkei auch schon gut einen Monat zuvor, am 27. Juni, ihre Ressourcen für das laufende Jahr verbraucht.

Wer aber denkt, wir in der Schweiz würden mit der Natur nachhaltiger umgehen, irrt sich gewaltig. Wir hatten bereits am 9. Mai dieses Jahres unsere Ressourcen für das Jahr 2019 vollkommen aufgebraucht. Ist also das Leben in der Türkei gar nicht so viel unökologischer, wie wir den Eindruck haben? Klar ist, dass eine Grossstadt wie Istanbul sicher nicht repräsentativ für ein Land wie die Türkei ist, wo in den ruralen Gegenden noch viele Menschen als Selbstversorger*innen leben. Andererseits gibt es auch nachhaltiges Verhalten aus einer völlig anderen Motiven, als wir sie haben. Obwohl die Menschen alles in dieselbe Mülltonne werfen, dürfte die Recyclingquote in Istanbul nicht viel tiefer sein, als bei uns in der Schweiz. In der ganzen Stadt gibt es nämlich zahlreiche Müllsammler*innen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, den Abfall nach Wertstoffen zu durchforsten. Trotz anderer Motivation ist das Ergebnis dasselbe, nämlich einen etwas schonenderer Umgang mit den Ressourcen.

Es gibt aber auch Dinge, die uns wirklich nerven. Da wäre in erster Linie der Verkehr, welcher ein Schulungsbeispiel dafür sein sollte, wieso sich eine Grossstadt nie nach dem Autoverkehr ausrichten sollte. In den Stosszeiten fährt in der Innenstadt und den Verbindungen zwischen den Kontinenten nämlich so gut wie nichts, alles steht im Stau. Auch die Busse des öffentlichen Verkehrs. In den Autos sitzt dabei selten mehr als eine Person. Für das Pendeln innerhalb der Stadt braucht man täglich mehrere Stunden (bei unserer Busfahrt nach Amasra am Tag darauf verbrachten wir ausserhalb der Stosszeiten zweieinhalb der sieben Stunden Reisezeit in Istanbul selbst). Auch über die enge Strasse vor unserem Café, die gefühlt eine Fussgängerzone ist auf der sich hunderte von Menschen bewegen, hupten sich ständig Autos den Weg frei.



Doch was kann man als Tourist tun um einen möglichst „nachhaltigen“ Urlaub in so einer Grossstadt zu verbringen? Unserer Meinung nach, sollte man es sich in erster Linie nicht zu leicht machen und das gewohnte nachhaltige Verhalten, welches man Zuhause an den Tag legt, nicht einfach aufgrund der schwierigeren Umständen über Bord werfen. Natürlich kann man dem Ganzen nicht völlig entkommen. So waren auch wir gezwungen uns mit Wasser aus Plastikflaschen zu versorgen. Anstatt aber täglich neue Flaschen zu kaufen, haben wir uns einen fünf oder zehn Liter PET-Tank, wie man ihn in Istanbul an jeder Ecke kaufen kann, ins Zimmer gestellt und damit unsere Flaschen täglich aufgefüllt. So konnten wir unseren Verbrauch an Plastik während unseres Aufenthalts nicht unwesentlich senken. Dies wäre auch unser heutiger Tipp an euch, der gerade bei Reisen in Städte ohne Trinkwasserversorgung praktisch ist.


Nach einem gemütlichen Nachmittag, ging es dann mit dem Schiff noch nach Kadıköy, ein hippes Viertel im asiatischen Teil der Stadt, wo wir ein leckeres Abendessen verdrückten.



Am nächsten verliessen wir Istanbul schweren Herzens und sind nun auf dem Weg in Richtung Amasra. Da sich das Zugnetz der Türkei im Moment erst im (Wieder-) Aufbau befindet und nur im Moment die grossen Wirtschaftszentren verbindet, nahmen wir für diese Reise den Bus. Das Busnetz der Türkei ist hervorragend und bindet auch kleinste Dörfer an. Durch die komfortabel ausgestatteten Busse, sind in der Bevölkerung Busfahrten eine beliebte Alternative zu Kurstreckenflügen, wie sie in Europa an der Tagesordnung sind. Dies obwohl eine Busfahrt oft gut acht Stunden oder länger dauert.



Unsere Fahrt führte durch malerische Täler mit wunderschönen Wäldern. Von der Bezirkshauptstadt Bartın ging es dann mit einem kleineren Bus, bei dem der Schuh des Bussfahrers wohl am Gaspedal festklebte, ins Küstenstädtchen Amasra.



Wie wir dort angekommen sind und welche herausfordernde Challenge auf uns wartete, erfahrt im nächsten Blogeintrag.