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Nedzada und Dominik: Eine ereignisreiche Nacht im Nachtzug

Nach dem wir am Abend unserer Ankunft in Bukarest noch ein feines Znacht genossen hatten, spazierten wir noch etwas durch die Stadt bis zum Palast des ehemaligen Diktators Ceausescu. Dieser ist nach dem Pentagon das zweitgrösste Gebäude der Welt. Seinen Grössenwahn zementierte Ceausescu zudem durch einen auf das Gebäude zulaufenden Boulevard, der die Champs Elysee in der Länge um knappe drei Meter übertrifft.

Zurück im Hotel genossen wir eine erholsame Nacht. Das Omelett vom Vortag machte sich zu Dominiks grosser Genugtuung übrigens nicht mehr bemerkbar.


Am nächsten Morgen gingen wir erstmal zum zwei Strassen vom Hotel entfernten Bahnhof, um die Abfahrtszeiten unseres Zuges am Nachmittag zu checken. In Rumänien ist das eben so eine Sache mit internationalen Zügen. Am dritten Infoschalter, zu dem wir verwiesen wurden, hatten wir dann Gewissheit, dass unsere Infos stimmten.

Erleichtert suchten wir uns eine Frühstückmöglichkeit und wurden schliesslich in einem kleinen Restaurant fündig, welches Dominik im Nachgang mit „richtig lecker“ und Nedzada mit „richtig schmudlig“ kommentierten.

Gut genährt ging es zurück ins Hotel und danach zum Bahnhof, wo wir uns noch einmal mit Verpflegung für die Fahrt eindeckten.

Um 12:40h ging es dann in unserem Nachtzug los. Obwohl unser „Zug“ eigentlich nur aus einem Schlafwaggon bestand, der erst bei einem Zug der Rumänischen, dann bei einem Zug der Bulgarischen Bahn angehängt wurde. In der Nacht wurden wir dann schlussendlich noch an einen türkischen Zug angehängt. Das bei jedem Wechsel eine neue Fahrkartenkontrolle nötig war, ohne dass jemand ein- oder ausstieg, versteht sich von selbst. Zwar konnte die Stromversorgung der Klimaanlage später an den bulgarischen, nicht aber an den rumänischen Zug angehängt werden, was vor allem bei den langen Wartezeiten an der rumänisch-bulgarischen Grenzen für Saunaatmosphäre sorgte.


Bei der Fahrt über Felder voller Sonnenblumen verging die Zeit schnell. Der türkische Wagenbetreuer unseres Zuges Hakan Bey schloss uns bald ins Herz, nachdem er gemerkt, dass wir uns mit ihm auf Türkisch verständigen konnten. Vor allem Nedzada als wandelndes Vokabellexikon löste dabei grosse Begeisterung bei ihm aus. Auch lief er während der Fahrt des Öfteren aufgeregt durch den Gang um alle Passagiere auf bevorstehende und aus dem Fenster zu betrachtenden Sehenswürdigkeiten aufmerksam zu machen. Diese waren mal mehr und mal weniger aufregend, weshalb die Begeisterung der Reisenden ans Fenster zu stürmen während der Fahrt exponentiell abnahm.



Am Abend versorgte uns unser neuer Freund ausserdem mit leckerem Çay. Nach einigen wenigen Stunden Schlaf, wurden wir dann um 03:00h nachts von der bulgarischen Grenzwache geweckt. Nachdem diese Kontrolle eine gute halbe Stunde dauerte, toppten die türkischen Kollegen das Ganze eine Stunde später mit einer weiteren Kontrolle, die sich über eine volle Stunde hinweg zog.


In der Nacht avancierte Hakan Bey noch zum Helden, in dem er erst einen gestrandeten Reisenden ohne Ticket von einem bulgarischen Bahnhof mitnahm und danach noch einen Hund ohne Papiere aus den Fängen der Grenzpolizei rettete. Die Besitzerin argumentierte während der gesamten Szene lautstark, dass nach französischem Recht die Papiere des Hundes doch völlig ausreichend seien.


Während Dominik nach den Kontrollen bis zum Endbahnhof durchschlief, brachte Nedzada kein Auge mehr zu.

Im Gang traf sie schliesslich Hakan Bey, der sie zum frischen türkischen Kaffee einlud, den er etwas unorthodox auf seinem Gaskocher aufsetzte. Beim gemütlichen Kaffeetrinken mit einem weiteren Kollegen aus dem Eisenbahngeschäft kommentierte er fortlaufend welche Ortschaften gerade am Fenster vorbeizogen. Zum Beispiel fuhren wir an Edirne vorbei, der ehemaligen Hauptstadt des Osmanischen Reiches.


Den Sonnenaufgang, den Nedzada aus der Kabine des Schaffners fotografierte, wird sie lange nicht vergessen.



Wie unsere Ankunft in Istanbul war und wie wir den Tag verbrachten, der Nedzadas Geburtstag war, erzählen wir euch morgen.



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