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Nedzada und Dominik: Abenteuer Bergausflug

Am nächsten Tag ging es für uns nach einem nährhaften Frühstück zum nahen Busbahnhof. Eigentlich hatten wir in unserem Programm noch den Besuch des Uzungöls, dem berühmtesten Tourismusziel in Trabzon eingeplant. Dieser See liegt in einem Bergtal und wird von einer kleinen Moschee mit angrenzendem Dorf umrahmt. Das Bild davon ist in Trabzon omnipräsent und wird auf allen möglichen Produkten abgedruckt. Allerdings hatten wir den Massentourismus an der Schwarzmeerküste unterschätzt, in dessen Zentrum der Uzungöl steht. Für einen Besuch hätten wir in einem der neuen Hotels schlafen müssen, die nach und nach das ganze Tal zukleistern. Wir hörten von vielen Einheimischen, wie schade sie das finden. Diese Art des Tourismus wollten wir nicht unterstützen und reisten direkt weiter ins Bergdorf Ayder in der Region Rize.

Dieses ist zwar nicht viel weniger vom Massentourismus betroffen, der vornehmlich aus der Golfregion kommt, bietet aber einen tollen Ausgangspunkt, um die umliegenden Berge zu erkunden. Unterschlupf fanden wir bei einer Familie, die im Dorfzentrum neben ihrer Hütte eine paar Bungalows betreibt.

Gleich nach unserer Ankunft machten wir uns dann auf, um das lärmige und verstopfte Zentrum zu verlassen. Der Verkehr hatte nämlich aufgrund hoher beliebt von privaten Mietwagen istanbulsche Ausmasse.



Als wir der Strasse entlang aufwärts wanderten erblickten wir Schilder, welche von Bären und Wölfen warnten. Trotzdem wagten wir uns, vor allem auf Dominiks Drängen hin, auf einen Wanderpfad, der uns ein Einheimischer zeigte. Mit der skeptischen Nedzada im Schlepptau ging es über eine wunderschöne Wildwiese in den Wald bergauf. Nachdem aber aus dem Wald ein gut hörbares Jaulen kam, bestand Nedzada schliesslich auf den Abbruch der Unternehmung.

Den Abend verbrachten wir dann in einem kleinen Café im Dorfzentrum, wo eine Zweimann-Band türkische Klassiker aus der Region spielte, bis niemand im Raum mehr auf seinem Stuhl sass.



Am nächsten Morgen setzte sich der Dauerregen fort, der schon in der Nacht eingesetzt hatte. Nach einem wirklich tollen Frühstück, ihr merkt langsam welchen Stellenwert diese Mahlzeit hier hat, verbrachten wir den Vormittag gemütlich in unserem trockenen und warmen Bungalow. Als der Regen dann am Nachmittag aufhörte, wollten wir doch noch „richtig“ in die Berge und wurden bei der Dolmuş-Station fündig. Dort bestiegen wir einen Dolmuş, der eine schweizerische Motorfahrzeugkontrolle in Ausnahmezustand versetzt hätte. Bevor es losging musste dann auch noch irgendetwas am Motor repariert werden. Dem Fahrer Kazım (im lokalen Dialekt Dschazem ausgesprochen) schien der Zustand seines Gefährtes aber nichts auszumachen, denn er steuerte es mit Handy in der Hand und Zigarette im Mund in beträchtlichen Tempo den Berg hinauf.



Die Strasse verdiente je weiter die Fahrt ging desto weniger diese Bezeichnung und bestand mehr aus einer löchrigen Ansammlung von Erde und Steinen. So hüpften wir auf unseren Sitzen durch die Wildnis, eingepfercht zwischen Gemüsekisten und Säcken mit den Einkäufen der Dorfbewohnerinnen. Schliesslich kamen wir im Bergdorf Kavrun an und machten uns auf Erkundungstour. Mit uns im Bus waren auch noch Ekrem und Zafer, zwei Jungs aus der Küstenstadt Ordu, und Hatice mit ihrem Freund Muhammed, welche aus Erzurum und Izmir kommen.



Beim Dorf trafen wir auf eine Gruppe kleiner Jungs, die Fussball spielten. Während Nedzada Kontakt zu unseren Mitreisenden knüpfte wurde Dominik von den Kindern ins Kreuzverhör genommen, welche türkischen Fussballspieler und Trainer er so möge und konnte mit Fachkenntnis glänzen.



Schliesslich ging die Fahrt dann noch einmal weiter über eine Gebirgsstrasse am Rand eines Abgrunds. Den als Lohn für dieses lebensgefährliche Manöver versprochene Ausblick auf das Dörflein Samistal, war allerdings nur ein Blick in den trüben Nebel.




Zudem entdeckten wir auf der Bergkannte dann noch ein rund 10 Zentimeter grosses Loch im Hinterreifen. Da das Fahrzeug hinten aber je zwei Reifen hatte, konnte uns das nicht aufhalten.

Nach einer nicht mindergefährlichen Fahrt zurück nach Kavrun, wärmten wir uns dort mit heissem Çay auf. Ausserdem erhielten wir von unseren neuen Freunden noch eine Einweisung in das türkische Spiel „okey“.



Wir erfuhren von ihnen, dass Zafer und Ekrem in Ayder im Zelt übernachten, während Hatice und Muhammed per Anhalter angereist sind. Das hat uns sehr beeindruckt. Da wir uns so gut verstanden, gingen wir dann auch noch alle gemeinsam (inkl. Kazım) Abendessen und vereinbarten am nächsten Tag wieder etwas gemeinsam zu unternehmen. Und schon wieder haben wir gemerkt, dass man durch Reisen mittels öffentlichem Verkehr so viele tolle Bekanntschaften machen kann.


Ekrem hat übrigens ein Video gemacht, in welchem auch unser Ausflug vorkommt. Hier bekommt ihr auch einen Eindruck der Region: https://youtu.be/8Yq5AsPnxuA


Unser Tipp fürs nachhaltige Reisen ist heute etwas allgemeiner: Bevor man in ein anderes Land kommt, hilft es enorm sich mit der Kultur und der Geschichte des jeweiligen Ortes zu befassen, sowie die wichtigsten Wörter in der jeweiligen Sprache zu lernen. So kommt man viel leichter mit Menschen in Kontakt und lernt Neues kennen. Natürlich hatten wir da einen Vorteil, weil wir uns durch unser Studium schon mehrere Jahre mit der Türkei und ihrer Sprache befassen. Aber, dass wir in den Augen vieler Einheimischen (im Gegensatz zu anderen Touristen) nicht als „Fremdkörper“ wirkten, hat uns viele Türen geöffnet und zu neuen Bekanntschaften verholfen. Also seid offen und habt den Mut auf andere zuzugehen. Es lohnt sich!