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Marie: Vom Abenteuer, an einen ,,bekannten‘‘ Ort zurück zu reisen

Nach den entspannenden Tagen im Harz war es an der Zeit, mich von Marius zu verabschieden und meine Reise alleine fortzusetzen. Ich nutze erneut Bahn und Bus um Richtung Hannover und schließlich in ein niedersächsisches Dorf namens Niederstöcken zu gelangen. In diesem liegt der sogenannte Friedenshof, einer gemeinschaftlichen, spirituell ausgerichteten Kommunität auf einem alten Bauernhof. Auf diesem war ich bereits im letzen Herbst für einige Tage zu Gast.



Bevor ich im nächsten Post mehr über diesen Ort berichte, möchte ich etwas über meine Beweggründe, erneut zu dieser Gemeinschaft zu reisen, erzählen: In den letzen Monaten hab ich mich intensiv mit nachhaltigen Reisen befasst. Durch den Aufbau meiner kleinen Instagramseite und der Widmung meiner Bachelorarbeit zu diesem Thema kam ich mit vielen neuen Konzepten und Ansätzen in Berührung. Besonders gefesselt hat mich dabei ein Vortrag des Postwachstumsökonom Niko Peach. In diesem erläuterte er, dass die Mentalität der meisten Reisenden von einem schnellen Abklappern möglichst vieler Orte gemäß dem Motto ,,been there, done that‘‘ geprägt sei. Weiter erklärte er, dass für ihn der Wert von Reisen nicht in deren Quantität (also möglichst viele Reisen), sondern deren Qualität (wie wirkt das Erlebnis auf der Reise?) liege. Er beschreibt, dass die Tiefe von Begegnungen auf Reisen ausschlaggebend für deren Qualität sei. Deswegen mache es Sinn, immer mal wieder an den selben Ort zu zurückzukehren, um diesen mit jedem Mal näher kennen zu lernen, anstatt ständig neue Ziele zu suchen. Ich musste ein wenig schmunzeln, als ich mich daran zurück erinnerte, dass ich vor wenigen Jahren bei meinen Freunden gegen einen Urlaub in Frankreich stimmt, da ich dort ja bereits war - dass ich damals noch ein Kind war und kaum mehr als die Unterkunft in Erinnerung behalten habe, brachte mich nicht von diesem Argument ab.



Die Reisechallenge wollte ich also auch nutzen, um an einen nicht-neuen Ort zurück zu kehren, was für mich ein ganz neues Abenteuer darstellte. Denn eigentlich habe ich bis vor Kurzem immer neue Ziele gesucht. Auch befürchtete ich, dass bereits gesammelte positive Erlebnisse an einen Ort dafür sorgen würden, dass ich zu diesem mit überhöhten Erwartungen zurückkehre und sowieso nur enttäuscht werden könnte.



Doch als ich am Montag wieder auf dem Friedenshof kam, wurde mir bewusst, das in Peachs Worten mehr als nur ein Funke Wahrheit steckt: Anstatt der erwarteten Langeweile erlebte ich das schöne Gefühl des Ankommens an einen behaglichen, bekannten Ort - fast schon wie nach Hause zu kommen. Es war schön, alte Gesichter wiederzusehen und es freute mich sehr, dass mich so viele der Hofbewohner wiedererkannten. Ich empfand es als wohltuend, mich nicht mehr komplett neu vorstellen zu brauchen, sondern nur neu anzusetzen und zu erzählen und von den anderen zu erfahren, was in der Zwischenzeit so geschehen ist. Und außerdem merkte ich, dass sich die Verbindung zu anderen Menschen tatsächlich vertieft, wenn man ein erneutes Mal aufeinander trifft. Besonders mit Carsten und Bärbel, den beiden ältesten Gemeinschaftsbewohnern hatte ich in den letzen Tagen sehr bereichernde Gespräche, die denke ich darauf beruhten, dass wir uns nun schon ein bisschen näher kennen. Ich freue mich sehr für diese für mich ganz neue Erfahrung und glaube, dass ich mich fortan öfter traue, an einen ,,bekannten‘‘ Ort zurück zu reisen.



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