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Marie: Auf dem Friedenshof


Nachdem ich im letzten Post über die Erfahrung, an einen Ort zurück zu reisen schrieb, möchte ich nun ein wenig von diesem Ort – dem Friedenshof in der Nähe von Hannover – erzählen.



Was ist denn dieser Friedenshof?

Den Friedenshof zu beschreiben, ist gar nicht so leicht: Zuerst einmal hilft es, sich vorzustellen, dass es sich rein räumlich um einen 280 Jahre alten Hof mit Garten, Weide, Gewächshaus und Werkstatt in dem kleinen Dorf Niederstöcken handelt. Seit rund 30 Jahren wird dieser von Menschen, die als interreligiöse und interspirituelle Gemeinschaft (das heißt nicht etwa streng christlich, sondern offen bezüglich Glauben/Spiritualität) zusammen wohnen, mit Leben gefüllt. Aktuell sind das sieben Personen im Alter zwischen 29 und 79 Jahren. Eines der Ziele der Gemeinschaft ist es, eine lebendige Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft zu gestalten. Statt der Ausrichtung des Alltags auf Gelderwerb, steht sinnvolle Beschäftigung, die Gemeinschaft und die spirituelle Praxis im Mittelpunkt. Besonders prägend für den Friedenshof ist der Tagesrhytmus, der durch Meditationen, Rituale, gemeinsame Arbeitszeiten und Mahlzeiten geprägt ist. So gibt es auf dem Hof jeden Tag viel zu erleben: Neben Ritualen wie der Morgenbegrüßung aller Anwesenden, gemeinsamen Singen, Tanzen und Meditieren sowie der abendlichen Lagerfeuerrunde wird Obst und Gemüse angebaut, die Schafe und Hühner werden versorgt, das Essen zubereitet, die Ernte verarbeitet, die Häuser erweitert und vieles mehr.



Doch was macht man dort als Reisende*r oder Urlauber*In?

Der Friedenshof ist über das ganze Jahr offen für Menschen, die Interesse am Leben in Gemeinschaft und ihrem Projekt haben und gibt Neugierigen die Chance, für einige Zeit mitzuleben und mitzuarbeiten. Ende Juli gibt es ein besonderes Angebot, die sogenannte ,,Erfahrungswoche“, bei welchem ich nun teilnehmen wollte. Für diese reisten rund 30 Menschen an (deutlich mehr als sonst), die eine Woche lang in den Alltag des Friedenshofes reinschnuppern möchten. Dabei finden, wie sonst auch, die regelmäßigen Rituale und gemeinsame Arbeitszeiten auf dem Hof statt, zudem gibt es noch besondere Workshops wie z.B. zu Kommunikationsmethoden oder Tanz und viel Zeit für Begegnungen und Austausch. Die Tage sind also voll und der Hof voller Trubel.



Aber wie ist das da dann so und kann ein kleiner Hof in einem superkleinen Dorf in Niedersachsen überhaupt Abenteuer oder Urlaub bieten?

Zugegebenermaßen packten mich auf der Anreise nochmal die Zweifel, ob ich den Urlaub nicht für ein etwas entfernteres Reiseziel nutzen sollte, wo ich jeden Tag frei entscheiden könnte, was ich mit wem tun möchte, anstatt sechs Tage in einer festen Gruppe Menschen einer recht geregelten Tagesstruktur zu folgen. Aber: Bisher wurde ich nicht enttäuscht. Zwar senke ich den Altersdurchschnitt ziemlich, doch die ersten Tage waren gefüllt mit spannenden Gesprächen und lustigen Momenten. Ich erlebe die täglichen Meditationen und das gemeinsame Arbeiten – endlich mal etwas praktisches mit den Händen machen wie etwa Essigurken einkochen – als ziemlich tiefenentspannend. Und Zeit auf dem wunderschönen, blühenden Hof und der Umgebung zu verbringen erlebe ich auch dieses Mal wieder als Geschenk.



Und was ist daran nachhaltig?

Ich würde sagen, so ziemlich alles: Besonders beeindruckt hat mich, dass keine*r der 30 TeilnehmerInnen mit eigenem Auto angereist ist, sondern mit Öffis oder Rad. Zudem ist der Friedenshof selbst sehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, da Umweltschutz ein wichtiger Wert der Gemeinschaft ist. Beispielsweise wird der Großteil der Nahrungsmittel selbst biologisch angebaut, es gibt eine Solardusche, ein Kompostklo, die Schafe werden sehr liebevoll umsorgt. Klasse ist auch, dass die Gäste in den Räumlichkeiten des Hofes oder im Zelt untergebracht werden, sodass keine neuen Bauten aus dem Boden gestampft werden müssen. Besonders wertvoll ist jedoch die Tatsache, dass Umweltschutz und soziale Werte hautnah erlebt werden, was zum eigenen nachhaltigen Handeln inspiriert.



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