27.07.2018

KATJA UND MIMI

Nachdem wir uns gestern komplett von den Touristenmassen entfernt haben und mit dem Fahrrad zu einem nahegelegenen Badeort in Prag fuhren, haben wir uns heute wieder etwas unter die Leute gewagt. Als erstes haben wir den Aufstieg aufs Prager Schloss in Angriff genommen. Der Aufstieg über die vielen Treppen wurde mit einem wunderbaren Ausblick über die Stadt belohnt:

Da es am Nachmittag wieder 35 Grad warm werden sollte, entschieden wir uns dafür, ein Museum zu besuchen. Da ist die Auswahl in Prag enorm gross! Wir entschieden uns für das Mucha Museum und bereuten diese Entscheidung nicht. Ein süsses, überschaubares Museum, das mit Herz ausgestattet wurde.

Den Rest des angebrochenen Nachmittags verbrachten wir der Hitze wegen erneut im Schatten: in der Hängematte unseres Hostelgartens. Noch eine Nacht steht uns an diesem wunderbaren Ort bevor. Das Sir Toby’s Hostel im Prager Viertel Holešovice gibt es seit 15 Jahren. Ein ehemaliges Industrieviertel, das sich langsam zu einem richtig hippen und beliebten Quartier gemausert hat. Es gibt Märkte, Bars, Theater und Parks hier. Und das Sir Toby’s, auf welches wir bei der Recherche auf der Seite www.greenglasses.cz (eine Prager Plattform für nachhaltigen Lifestyle) gestossen sind. Ein richtiger Glücksgriff, wir würden gerne noch etwas länger bleiben, aber morgen geht’s weiter nach Bratislava!

Die Interaktions-Aufgabe „Suche eine Person, die noch nie geflogen ist und führe ein Interview“ wurde mit Elsi gelöst:

Interview with Elsi (26.07.2018)

Hi Elsi, thanks for doing this short interview with us! We met you in our hostel playing some card games and found out, that you’ve never been on a plane before. How come?

  • As a family we never really travelled too far. We mostly did camping trips close to our home in Holland or France. Sometimes also in Switzerland!

Ok cool! And now as an adult, do you chose not to fly at all or is it more of a coincidence?

  • Well I’m only 21 years old so I don’t think I’ll NEVER fly in my life because I’m really into travelling. But for now I’ll take busses and trains and I’m happy with that.

Do you think our society flies too much?

  • Yes definitely. Whenever I tell people that I’ve never been on a plane I get strange looks. We also never owned a car and people always found that weird.

Thanks a lot for talking to us!

Elsi didn’t feel comfortable with us posting a photo of her on the internet, so my sister drew a picture of her. That’s the result.

 

TEAM UNFASSBAR

Presse und Pannen

Mittagshitze in Zofingen
Da funktioniert der Zapfhahn noch

Nachdem die „Berner Zeitung“ über „Die Unfassbar“ in Langenthal, und eine Lokalzeitung mehrmals über Zofingen berichtet hat, machen wir uns auf Richtung Brugg. Wir sind in der Erwartung, dass uns auch dort der grosse Hype bevorstehe. Zu kämpfen haben wir aber vor allem mit der grossen Hitze und einem defekten Druckminderer für die Bier-Zapf-Anlage, der gegen Mitternacht in Zofingen ausgefallen ist und uns eine Nacht voll Kopfzerbrechen  beschert hat. Tobias vollbringt die Heldentat: Allein fährt er zweiundzwanzig km zusätzlich den Jura hoch, überwindet ca. 300 Höhenmeter um beim dortigen Brau-Shop ein Ersatz Gerät zu besorgen.  Mit 72km in den Beinen kommen wir in Brugg an, wo ein Ehepaar, das uns nur von der Presse kennt, von sich aus Herberge angeboten hat. Der Ausschank im DOLCE VITA wird aber kein Hype: Wir zapfen im Verlaufe des Abends vielleicht um die 15 Bier. Dafür gibt es phantastische Gespräche mit einem Ingenieur und mit einem Flötisten. Bis spät am Abend sitzen wir mit unserer Gastfamilie und teilen unsere Lebensgeschichten. Kamerun-Genf-Elsass-Burgdorf und Brugg werden verwoben. Wozu weiter suchen?

 

Todeskampf in der Natur

Die Ringelnatter hat sich am Grasfrosch festgebissen

Beim Würenlingen Denkmal im Wald schreckt uns ein Grasfrosch auf. Er quackt nicht friedlich. Er quietscht erbärmlich vor Schmerz. Wie er in grossen Sprüngen auf uns zuhüpft, sehen wir, dass eine Schlage sich an seinem Hinterleib festgebissen hat. Erst später auf dem Handy werden wir sie als Ringelnatter identifizieren. Das Handy hat dem Grasfrosch vielleicht das Leben gerettet und der Schlange die Mahlzeit verdorben. Bernhard geht nämlich so waghalsig nahe, dass die Schlage den Frosch loslässt und das Weite sucht, was auch der Frosch tut. Vielleicht überlebt er.

 

JILL UND JEREMIAS

Da wären wir. Die Seehunde liegen im Watt und der feuchte Muschelkalk glitzert in der Abendsonne. Weit in alle Richtungen erstreckt sich vor uns das Wattenmeer. Nach beiden Seiten der Deiche türmen sich die Dünen mit dazwischen liegenden Mulden und Senken. Nah am Meer und weit weg von den Feriendörfern lässt sichs dort wunderbar lagern.

In den Containern der Lebensmittelgeschäfte finden wir ausreichend nötiges und unnötiges. Zuckerschlangen und Butterkekse, Zuchetti und Zitronen.

Die Leute fragen oft nach dem Ziel der Reise und den Distanzen, die wir so zurücklegen. Nach den Gründen für lange Tandemfahrten interessiert sich hier kein Mensch, so gegeben ist das Radeln den Holländern. Zwischen den Orten liegen Radwege, so breit wie die Autostrassen. Die Velofreundlichkeit mag zwar nicht überraschen, ist aber dennoch eindrücklich zu erleben, wie sie zu einer Selbstverständlichkeit des Fahrrads im Alltag geführt hat. So, erstmal wieder in die Wellen springen gehen, auf baldi!

26.07.2018

RaBe INTERVIEW MIT VERONIKA

CHARLOTTE

Und hier die Auflösung der Interaktion-Aufgabe „Mache Selfies mit skurrilen und nachhaltigen Verkehrsmitteln“:

 

 

 

VERONIKA

Reiseroute Veronika_26.7.2018

Die erste grosse Etappe steht an. Mal sehen, ob, wann und wie ich ankommen werde…

Heute verbringe ich den ganzen Tag mit radeln – eine gute Gelegenheit für euch, mehr über das LebensGut Miteinander zu erfahren. Ausführliche Infos gibt es auf www.lebensgutmiteinander.org, hier nur ein Überblick.

  • Zuerst einmal: Das Gelände ist riesig und wunderschön, mit Lehm-Schwimmteich, Kröten und Mäusen im Wald, Tipis, Bienen, Vogelzwitschern, Kinderstimmen… hier ist Leben.

  • LebensGut Miteinander heisst der gesamte Verein. Viele der hier wohnenden Menschen haben damit verwobene, aber eigenständige Betriebe, wie beispielsweise die LeGuLa (LebensGut Landwirtschaft), bei der ich die letzten Tage geholfen habe. Andere Betriebe sind die Kita, die Arztpraxen, die Naturkosmetikproduktion etc.
  • Hier leben Familien, Frauen, Männer, Kinder, jüngere und ältere Menschen – kurz, eine bunte Mischung.
  • Die Gemeinschaft ist soziokratisch, das heisst, dass alles in Kreisen organisiert ist. Der Finanzkreis regelt das Geld, der Wir-Kreis organisiert das Gemeinschaftsleben etc. So sollen Verantwortlichkeiten gleichmässig verteilt und niemand überfordert werden, alle können und sollen sich auch einbringen.
  • Ausserdem ist das LebensGut Miteinander wertebasiert. Dazu gehören: liebevolle Haltung, Freude und Leichtigkeit, Nachhaltigkeit, Verantwortung, Sicherheit und Stabilität, Gesundheit.Klingt gut? Ist auch gut. In der kurzen Zeit in dem ehemaligen Kloster konnte ich sehen, wie liebevoll und achtsam miteinander und mit der Umwelt umgegangen wird. Natürlich ist auch hier die Welt nicht rosarot, es gibt Konflike, unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse oder Meinungen. Und trotzdem leben hier verschiedenste Menschen in einer engen Gemeinschaft zusammen, teilen, haben und nehmen Anteil, träumen und gestalten. Viel ist noch geplant (Tagesbetreuung für ältere Menschen, Schule usw.), viel wurde bereits verwirklicht. Beeindruckend ist vor allem, wie bei all den Projekten und Gruppenprozessen Raum für Gäste ist, wie man wahrgenommen wird, wie Türen geöffnet und sich auf Gespräche eingelassen wird. Danke!


Ich habe einmal mehr gesehen, dass Nachhaltigkeit sich nicht nur auf einen Bereich beschränken kann, sondern dass sie gelebt werden muss. Oder kann, soll, darf, möchte… Nicht nur in der Fortbewegung, auch in der Ernährung, im Konsum allgemein, im Wohnen, im Umgang miteinander, in der Kindererziehung, Gesundheit und und und – Nachhaltigkeit, und damit auch Suffizienz (also Genügsamkeit) kann alles durchdringen, wenn man es zulässt.
Nun bin ich gespannt, wie andere Gemeinschaften das so umsetzen und zusammenleben…

25.07.2018

KATJA UND MIMI

Unser Tag beginnt gemütlich im Hostelgarten mit dem RaBe Radiointerview am Telefon. Danach entscheiden wir uns gegen das All you can eat Buffet im Hostel und kaufen unser Frühstück lieber auf dem farmer’s market ein. Das Brot sollte auch ein paar Tage reichen.

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum. Dabei sehen wir etwas zu sehr tourimässig aus, denn schon bald wurden wir von einer freundlichen Passantin auf Schweizerdeutsch angesprochen, die fragt ob wir Hilfe benötigen. Marianne lebt seit gut zwei Jahren in Prag und erzählt uns von ihrem Leben hier. Sie hat ziemliches Heimweh nach der Schweiz und freut sich sehr, mit uns wieder etwas Schweizerdeutsch zu reden. Natürlich erzählen wir ihr von unserer Mobilitätschallenge und unserem Ziel auf dieser Reise. Leider muss sie bald aufs Tram und verabschiedet sich von uns. Aber nicht ohne uns ihre Handynummer zu geben. Vielleicht braucht sie noch einmal eine Dosis Schweizerdeutsch – oder wir einen guten Tipp.

Am Nachmittag nehmen wir an einer Free Walking Tour teil, die uns wichtige und interessante Hotspots der Stadt zeigt. Unser Guide ist zwar ursprünglich aus Frankreich, aber kennt Prag wohl besser als so manche/r Einheimische/r. Mit viel Enthusiasmus spricht er über Geschichte und Kultur der tschechischen Hauptstadt – so viel Freude steckt an.

Nach der dreistündigen Tour sind wir ziemlich erschöpft, wollen uns aber die Gelegenheit auf eine wunderbare Aussicht über die Stadt nicht entgehen lassen. Also erklimmen wir noch einen letzten Hügel, um im Letná Park anzukommen. Hier gibt es einen der beliebtesten Biergärten in Prag – leider gibt es das Bier nur in Plastikbechern. Prag, das kannst du doch besser. Wir entscheiden uns, den Abend lieber mit einem lokalen Bier – im Glas! – in unserem Hostel ausklingen zu lassen.

 

VERONIKA

Die Tage verlaufen unspektakulär und sind doch gefüllt mit Erlebnissen:

  • Ich bin genau zur rechten Zeit hier: Erntezeit. Zwei Tage lang ernten wir für die Gemüseabos. 224 Jungzwiebeln, 48 Lauche (Läuchers?) und und und – ja nicht verzählen! Alles wird gewaschen, gebüschelt, gezählt, gewogen, verteilt… mehr Arbeit, als ich dachte.

 

  • Abends wird Basketball gespielt, zusammen mit Mohammed und Hossain aus Afghanistan. Wir freuen uns alle, wenn jemand den Korb trifft. Sie leben seit zwei Jahren hier und erzählen mir von ihrer Heimat, Familie, von Berufswünschen und ihrem Studium. Wir reden über Fleischkonsum, teilen Essen, lachen. Wir reden über das Leben auf dem Land – die zwei kommen aus der zweitgrössten Stadt Afghanistans. Der österreichische Dialekt sei schon schwierig, meinen sie, und ich stimme im Geiste zu. Es stellt sich heraus, dass sie beste Freunde und miteinander aufgewachsen sind, beide spielen auch Theater. Hossain schreibt die Stücke, Mohammed führt Regie. Ich bin beeindruckt. Mittlerweile sind wir fünf Nationen (Deutschland, Österreich, Afghanistan, Marokko, Schweiz) und einmal mehr erfreue ich mich an diesen Begegnungen, bei denen ich immer wieder lerne und mir die Schönheit der Vielfalt bewusst wird.

  • Nun ist auch schon wieder packen angesagt, 133km liegen morgen vor mir. Und vermutlich Gewitterwolken über mir… Wir werden sehen, wann, wie und wo ich als nächstes ankommen werde.Zum Abschluss: Schon gewusst? Etwa 20% der in Österreich landwirtschaftlich genutzten Fläche wird biologisch bewirtschaftet! In der Schweiz sind es nur knapp 14%…

 

 

TEAM UNFASSBAR

Die Challenge, eine Person zu finden, die noch nie geflogen ist, erweist sich als schwierig, sogar das dreimonatige Baby im „Restaurant Rathaus“ Zofingen, hat schon einen Flug absolviert. Die einzige, die noch nie ein Flugzeug von innen gesehen hat: Lily

Dafür:
Good News aus Rupperswil

Die Gemeinde mit 4500 Einwohnern hat einiges zu bieten. Junge Familien ziehen hier hin. Eine Kinderwoche der Kirchgemeinde im Herbst bringt rasch einmal 70 Kinder und Jugentliche zusammen. Interkulturell und interreligiös zusammengesetzt. „Hier geschieht viel Integration“ schwärmt Timothy Cooke, der Pfarrer, der selber Kanadier ist. „Das nahe Naturschutzgebiet ist eine wunderbare Auenlandschaft, die zum Verweilen einlädt. Der Präsident der Kirchgemeinde, Werner Setz, ist ein mehrfach ausgezeichner Pionier für Minergie-Häuser.

 

JILL UND JEREMIAS

Im hügeligen Zickzack gings durch die Felder und Wäldchen nördlich von Mönchengladbach, bis die Hecken immer dichter und die Höfe kleiner wurden. Mehr und mehr Heide breitete sich statt der gemähten Stoppelfelder nach allen Seiten aus und schon passierten wir das niederländische Umland von Venlo.

Von dort führt die gemächlich und still fliessende Maas ins Landesinnere und zieht eine Spur der Verschlafenheit nach sich. Aber ganz wunderbar zu fahren. Hasenland. Und Füchse hats auch viele, dass muss ein Spass sein. Auf jeden Fall hören wir Nachts nichts davon, wenn wir unser Zelt in die Büsche stellen. Tagsüber brennt heiss die Sonne und zuweilen wähnen wir uns in der Po – Ebene, die Alleen zwar von Rosskastanien statt von Pappeln und Kiefern gesäumt, aber sonst gleicht sich das landschaftliche Farbspektrum. Auf den Radwegen ergeben sich viele Gespräche mit den Schnellfahrern, den schneckigen Sonntagscyclisten oder den elektrifizierten Gleichmässigen. Unbestritten vorteilhaft, mit einem orangen Tandem durch die Niederlanden zu zuckeln. Alle haben Spass! Wir auch, aber zusätzlich zunehmende Gesässschmerzen. Gemein.

Wir peilen nach Norden und haben heute Leeuwarden zum Ziel. Die Nordsee, das Wattenmeer, wir hören schon die Möwen kreischen und die Seehunde singen. Bis demnächst!

24.07.2018

CHARLOTTE

Charlotte bereitet mit dem Kochkollektiv hasaso die Vorräte für das Kugelfest vor uns gewährt uns einen Blick in ihr Tagebuch:

 

TEAM UNFASSBAR

Bier – Nachhaltig?

Auf unserer Velotour mit der Unfassbar von Bern nach Basel machen wir unseren ersten Halt in Jegenstorf bei unserem Bierbrauer, Toni Bühlmann von Schmitte-Bier Jegenstorf. Toni wurde mit 49 arbeitslos. Bierbrauen war für ihn vor sechs Jahren Neuland  als Selbsthilfeprojekt.  Heute ist SCHMITTEBIER  im Kanton Bern ein grosser Name für vollmundige Biersorten. Wir sprechen mit ihm über Bier und Nachhaltigkeit.

Regionales Bier ist grundsätzlich nachhaltiger wegen der kurzen Transportwegen. Die lokale Bevölkerung trinkt Bier von lokalem Wasser. Jedoch hat Bier einen hohen Wasserverbrauch – für einen Liter Bier acht Liter Wasser. Gemälzt wird heute nicht mehr in der mehr in der Schweiz. Sogar einheimische Gerste wird für die Verarbeitung nach Deutschland geschickt, so dass ein Hauptbestandteil des Bieres importiert werden muss.

Danach fahren wir nach Langenthal, wo wir von Pfarrerin Sabine Müller und ihrem Mann Andi Jahn herzlich empfangen, einquartiert und bewirtet werden. Heute Abend steht ein Event auf dem Wuhrplatz in Langenthal auf dem Programm, zusammen mit der FahrBar Langenthal.

Die Stimmung auf dem Wuhrplatz ist bombastisch! Unterschiedlichste Generationen und Nationalitäten beleben den Platz rund um das Pétanque-Spielfeld. Es wird gelacht, geschwatzt, gespielt und getrunken bis spät in die Nacht.

Werner Stirnimann von PRO Velo Oberaargau besucht uns an der Bar und zeigt uns anhand einer Karte auf, was schon kleine Massnahmen für grosse Auswirkungen haben: Zum Beispiel ermöglichen kleine Tümpel der Geldbauchunke, sich anzusiedeln. Wir Barkeeper, wie auch einige Gäste hören sich an, was Werner über Biodiversität zu sagen hat. Eindrücklich: Werner ist kein Theoretiker. Er kommt mit seinem Cargo-Bike direkt vom Naturschutzgebiet, wo er kleine Froschtümpel mit Wasser versorgt hat.

Besuch auf dem Schlatthof Wolfwil: Der einzige Biohopfenproduzent der Schweiz stellt sich im Video vor

 

KATJA UND MIMI

…kommen in Prag an!

Am Morgen werden wir freundlich geweckt und gefragt, ob wir das Frühstück gerne hätten – natürlich möchten wir. Frühstück am Bett bekommt man im Nachtzug also auch: Was für ein Luxus. Das Abteil lässt sich ganz einfach vom Schlaf- in ein normales Sitzabteil verwandeln. In České Budejovice müssen wir uns von unserer Zimmergenossin verabschieden und treten die letzten Kilometer nach Prag an.

Um 11:00 fahren wir in Prag ein und unsere Reise fühlt sich nun richtig real an. Wir laufen einfach mal drauf los, zwar mit Karte im Gepäck aber doch lieber etwas der Nase nach. Oder besser gesagt: den Menschenmengen. Je näher wir dem Altstadtzentrum kommen, desto mehr Menschen und Reisegruppen sind unterwegs. Der Höhepunkt findet sich auf der Karlsbrücke. Da ist es uns definitiv zu voll, weshalb wir uns schnell vom Acker machen und uns in den nahegelegenen Park zurückziehen. Von da sieht man die Brücke sowieso viel besser!

 

VERONIKA

Da ich diese Worte auf meinem Smartphone tippe und bald auch wieder los muss, um Setzlinge aufs Feld zu bringen (heute ist Jungzwiebeltag: morgens ernten und putzen, nachmittags setzen), schildere ich euch die bisherigen Erlebnisse und Eindrücke mit Stichwörtern. Unter dem Motto „Auf der Suche nach Gemüse und Gemeinschaft“ habe ich nämlich schon so einiges erlebt…

  • Der erste Tag (also gestern) beginnt um 4 Uhr morgens mit einer unspektakulären weil verschlafenen Fahrt durch die Schweiz und das graue, regnerische Österreich. Kurze Panik über Kopfkino: Radfahren im Nebelregen… nein danke. Aufmunterung durch Schaffner, der bei jedem vorgezeigten Ticket ein freudiges und cowboywürdiges „yiiiiha“ ausstösst. Picknick im Zug, Abfall: eine Bananenschale, zwei Aprikosenkerne, zwei Tomatenstrunks. Ankunft bei strahlendem Sonnenschein.
  • Auf dem Traisentalweg ist alles zu finden, was typische Radwege so zu bieten haben: Senior*innen, Rennfahrer*innen, Familien, ein plätscherndes Bächlein mit Schwänen, Graureihern, Enten und haufenweise Pflanzen, die ich nicht zuordnen kann, deren Schönheiit und Vielfalt mich aber erfreut. Ich fahre im Slalom um die Nachktschnecken, zähle Fliegenleichen auf meiner verschwitzten Haut.
  • Unterwegs treffe ich Freund und Feind aller Radfahrer*innen der Welt: den Wind. In meinem Fall leider Gegenwind. Pause mache ich in einem Steingarten, der tatsächlich ein Stein-Garten ist – da liegen Exemplare von verschiedensten Orten und aus verschiedensten Zeiten aufgereiht und nummeriert herum – ein Steingarten eben.
  • Nach einem letzten Anstieg komme ich in dem ehemaligen Kloster und Kinderheim an, das jetzt den Namen LebensGut Miteinander trägt. Hier gibt es Wald, Wiese, Kräuter-, Gemüse- und Obstgärten, einen Schwimmteich, Sport- und Spielplatz, Esel und Musikinstrumente für Therapien, Tipis und und und. Es gibt eine Kindertagesstätte, mehrere Praxen für verschiedene Behandlungsmethoden und Zielgruppen, Menschen – morgen mehr dazu.

Zum Abschluss: Mein Essen hier hat einen Transportweg von maximal 50 Metern, ausgeführt von zwei Menschenbeinen. Biologische, landwirtschaftliche Produkte, mit Permakultur und als solidarische Landwirtschaft aufgebaut. Regionaler, saisonaler, ökologischer, gemeinschaftlicher – kurz, nachhaltiger – geht es wohl kaum. Und schmecken tut es auch noch hervorragend, was nicht nur (aber auch) am langen Reisetag gestern und intensiven Arbeitstag heute liegt.

23.7.2018: Die Reise beginnt

JILL UND JEREMIAS

Da Besucher in Köln, die mit der Bahn anreisen, Bahnsteig runter, Bretzelstand links rum und raus aus der Halle, geradeweg vor dem Dom stehen, konnten wirs natürlich nicht lassen. So frisch wie auf diesem Foto sehen wir nicht so schnell wieder aus.

Ab jetzt rödeln wir mit dem Tandem. Nach zwei Tagen am Rhein, steuern wir die eher unbeachteten Sehenswürdigkeiten der Region an und landen mitten im Tagebau. Dort, zwischen Köln und Achen gelegen, zerfällt ein ganzer Landstrich. Halbverwaiste Dörfer  und uralte Wälder warten nur noch bis die Bagger kommen. Die Hecken, Wiesen und Äcker sehen hier dürrer aus als sonstwo, der Gegend ist das Grundwasser ausgegangen. Wenig verwunderlich, beim tiefen Blick ins „Loch“. Endlos weit nach allen Seiten erstreckt sich die gewaltige Grube, aus der ständig Wasser ausgepumpt, Aushub fortgetragen und Kohle entnommen wird.

Genauso resigniert wie das Gelände um den Tagebau, wirken die Menschen, die seit Beginn des Kohleabbaus im Hambacher Revier Stück für Stück ihrer Lebensgrundlage verloren haben. Nur wenige sind geblieben und wer noch hier ist, glaubt ohnehin es sei alles schon verloren. Zu mächtig und zu gefrässig agiert der Energiekonzern RWE. Die meisten Bauern, Gemeinden und Privaten haben ihre Grundstücke bereits verkauft, Letztere zumeist unter drohender Enteignung. Aber wer da nahe am „Loch“ zwischen Buir und Morschenich vorbeifährt, sieht wohl mit Sicherheit die wilde Zeltstadt zwischen den Maiswipfeln eines grossen Felds und dem Waldrand dahinter. Hier beginnt der sichtbare und hartnäckige Protest um jeden Meter Land und Wald, der erhalten bleiben und nicht dem verfeuern von Kohle geopfert werden soll. Im Hambacher Forst haben Aktivist*Innen jeder Couleur seit 6 Jahren den Baumkronenprotest erfolgreich etabliert und verhindern mit zahllosen Baumhäusern, Plattformen und gebauten Strukturen am Boden die Rodung des Waldes. —-> https://hambacherforst.org/

Etwas weniger mutlos verabschieden wir uns aus dem Forst und satteln heute wieder auf. Das Meer im Sinn, den Wind im Rücken und die Eisdielen an den Dorfstrassen im Blick. Bis zum nächsten<3

 

 

VERONIKA

Heute geht die Reise endlich los! Weil vermutlich alle wissen, wie gepackte Taschen und endlose Kleiderstapel aussehen, erspare ich euch diese Bilder. Stattdessen hier die wichtigsten Dinge in meinem Gepäck – auf einer nachhaltigen Reise hat schliesslich auch das Gepäck seinen Beitrag zu leisten:

  • Schokolade. Trotz Sommer. Dunkel mit Pistazien, Coop Naturaplan, bio, Max Havelar und was es alles gibt – die beste Schokolade überhaupt!
  • Zahnbürste aus Bambus und Rasierer aus Olivenholz. Beides plastikfrei, beides hält ewig.
  • Meine Mens-Tasse. Jawohl. Erspart Tonnen Tampons und damit Abfall.
  • Alles Ausgeliehene: Fahrradtaschen, Kamera, Veloflickzeug und und und. Warum kaufen, wenn es woanders rumliegt? Warum besitzen, wenn man teilen kann?
  • Wollsocken. Immer und überall. Einfach weil warm.

Hier seht ihr noch die Route, die mich heute erwartet (eine laaaaange Zugfahrt von Basel nach St. Pölten, und dann gemütlich ein paar Kilometerchen mit dem Fahrrad bergauf), bevor ich heute Abend hoffentlich den ersten Hof erreiche.

Reiseroute Veronika

 

KATJA UND MIMI

Montag Abend, Zürich HB: Join the Journey geht auch für uns los. Um 21:40 startet unser Nachtzug Richtung Prag. Wir werden sehr freundlich vom Zugchef begrüsst und suchen unseren Platz im Schlafwagen. Da die 6er-Abteile (Couchette) alle voll waren, haben wir uns den Luxus vom Schlafwagen gegönnt. Wir sind überrascht, wie gross und gut ausgestattet unser 3er Abteil ist. Einige Minuten später lernen wir auch unsere Abteilsgenossin kennen. Es dauert nicht lange und wir sind bereits mit ihr im Gespräch – ob wir nach Prag fahren würden möchte sie wissen. Sie habe da für ein halbes Jahr gewohnt. Wir packen unser Chance und fragen sofort nach ihren Tipps. Und schon sind wir mitten im Gespräch.

Wir erzählen ihr auch von unserer Challenge und sie ist hell begeistert von dem Konzept. Ihr Freund wohne in Tschechien und sie besuche ihn immer mit dem Zug, sie habe sich so daran gewöhnt, dass Fliegen gar nicht mehr in Frage käme. Aber leider ist es bei der Mehrheit wohl noch umgekehrt und das Fliegen sei das gewöhnlichere. Es ergibt sich also eine sehr gute und lange Diskussion von Zugfahren, über Fernbeziehungen bis hin zum Thema ökologischer Fussabdruck. Zum Schlafen kommen wir in unserem Schlafwagen also erst spät.

Die nachhaltige Reisechallenge beginnt

Am Samstag, den 21.7. fällt um 14:00 Uhr der Startschuss für „Join the Journey”, die Challenge für klimafreundliches Reisen, im Foyer der Berner Kantonalbank (Bundesplatz 8, Bern). Radio RaBe berichtet live vom Event. Es sind alle eingeladen, vorbeizuschauen, die neugierig auf nachhaltiges Reisen sind.