15.9.2018: Abschlussevent der Reisechallenge

Finde heraus, welches Team die Challenge gewinnt

Am Samstag, den 15.9.2018 um 14:00 Uhr geht die nachhaltige Reisechallenge zu Ende. Die Abschlussveranstaltung findet im Vereinslokal, Lehenmattstrasse 353 in Basel statt.

Es sind alle eingeladen, vorbeizuschauen, die neugierig auf nachhaltiges Reisen sind. Die sechs Teams, die bei der Challenge mit ihren tollen und nachhaltigen Reiseideen mitgemacht haben, werden lustige Anekdoten und spannende Geschichten von ihren Reisen erzählen. Ein kleiner Apéro sorgt für das kulinarische Wohl.

Ausserdem werden wir herausfinden, welches Team die Aufgaben geringster CO2-Ausstoss, beste/r Klimabotschafter/in und beste Berichterstattung am besten gelöst hat und die Challenge gewinnt.

5.8.2018: Die Reise geht zu Ende

KATJA UND MIMI

Nach der zweiwöchigen Challenge ist uns einiges ein- und aufgefallen, wie man Städtereisen nachhaltiger gestalten könnte. Natürlich sind wir bei Weitem noch keine Profis und lernen auch ständig dazu, aber vielleicht helfen unsere fünf Ideen anderen bereits etwas weiter.

 

  • Zug statt Flugzeug ist möglich!

Natürlich wussten wir das vorher schon, aber wir haben mit vielen Menschen gesprochen, die offen zugaben, dass sie aus Komfort- oder Preisgründen öfter das Flugzeug nehmen. Bucht man jedoch früh genug, können Züge auch günstig sein und sind- unserer Meinung nach- sogar komfortabler. Beim Reisen in Nachtzügen merkt man den Zeitaufwand gar nicht gross, da man den Grossteil der Reise schläft. Leider gibt es diese Angebote momentan nur noch in einer begrenzter Auswahl an Städten. Würden aber mehr Menschen den Zug nehmen, würde auch die Nachfrage wieder steigen und weiter Destinationen würden wieder dazukommen!

  • Lokale Ho(s)tels statt internationale Ketten buchen

Wir haben bei der Auswahl unserer Unterkunft darauf geachtet, dass wir nicht die grossen, internationalen Hostelketten buchen, sondern kleinere Betriebe, die im besten Fall auch auf ihre eigene Nachhaltigkeit achten. Von solchen Hostels haben wir ja schon in vorherigen Blogposts erzählt. Mit etwas google-Recherche ist es oft kein Problem, solche Angebote zu finden.

  • Free Walking Tour / Fahrrad statt “Hop On Hop Off-Busse”

Je grosser die Stadt, desto grösser das Angebot an Rundfahrten, allen voran die Busse, bei denen man beliebig aus- und wieder einsteigen kann. Unserer Meinung nach, entdeckt man eine Stadt aber am besten zu Fuss: man kommt überall hin & kann sich Zeit nehmen, etwas genauer anzuschauen. Free Walking Tours sind dazu sehr empfehlenswert: passt in jedes Budget, da man selbst entscheidet, wie viel Trinkgeld man geben möchte.

Auch öffentliche Fahrräder sind in den meisten Städten angekommen und sind ein tolles Mittel, um von A nach B zu kommen.

  • Souvenirs: Einzigartiges statt Massenware

An Stelle von Schneekugeln oder billiger Massenware aus China eher auf lokal produzierte Souvenirs setzen. Wir haben so weit wie möglich in solchen Läden eingekauft. Hier unsere Entdeckungen:

Prag: Pragtique (http://pragtique.cz)

Bratislava: Zeppelin Cafe & Souvenirs (https://www.zeppelincafe.sk): haben auch tolle Kuchen!

Budapest: Printa (https://printa.hu) oder der kleine Design-Shop von der Ruin Bar Szimpla (https://www.facebook.com/pg/szimpladesignshop/about/?ref=page_internal)

  • Geniessen statt Sehenswürdigkeiten jagen

Möglichst volle Tage planen, um ja kein Must-See verpassen, möglichst schnell alles sehen, um dann möglichst schnell in die nächste Stadt zu reisen: so erlebten wir den Städtereise-Tourismus. Das finden wir nicht nachhaltig. Wir haben in unseren zwei Reisewochen extra «nur» drei Destinationen eingeplant, um überall genug Zeit zu haben. Das hat sich gelohnt, wir konnten uns immer etwas einleben, während andere Reisende, die nur 1-2 Nächte blieben, stets etwas gestresst wirkten.

Zum Schluss bleibt uns nur noch ein riesengrosses Danke übrig. An die anderen Teams, deren Blogeinträge wir zwischendurch immer gerne gelesen haben, an das Ökozentrum und insbesondere Christine für den Start dieser Challenge und euch lieben Lesenden, dass ihr unsere Reise verfolgt habt! Wir freuen uns über Feedback, Gedankenanstösse, Diskussionen usw. an der Schlussveranstaltung im September.

 

CHARLOTTE

 

VERONIKA

  

Auch die dritte Challenge wurde natürlich gelöst. Gleich zwei Postkarten machen sich auf den Weg in die Schweiz, um Medienpartner Radio RaBe und dem Verantwortlichen der BKB von meiner Reise zu erzählen und für die Unterstützung zu danken. Geschrieben hat sie meine wunderbare Gastgeberin der letzten Tage. An sie, die Postkartenempfänger und natürlich das Ökozentrum geht ein grosses Dankeschön, von ganzem Herzen.

 

EVA UND MARIA

Wir sind nun auf dem Heimweg unserer Reise und blicken auf tolle Tage zurück in einer uns bisher unbekannten Ecke Europas. Die Berge erschienen uns optimal, um die heissen Tage geniessen zu können.

In den Nächten kühlte es schön ab, es wehte stets eine frische Brise und wir kamen zu tollen Abkühlungen in eiskalten Bergbächen. Wir lernten die Region Südtirol als äusserst besuchenswert kennen, da die Landschaft und die Gastfreundschaft beeindrucken und nachhaltig Freude bereiten.


 

VERONIKA

Nach einem wunderbar entspanntem Tag an und in der Donau ist er da, der letzte Tag dieser Reise. Morgen geht es wieder zurück nach Basel. Mit im Gepäck sind neben mehr Wadenmuskeln vom vielen Radeln nicht nur Pilzpesto, Knoblauchsamen und Wildkräutersalz; ich kehre auch mit mehr Know-how heim, mehr Ideen und Möglichkeiten, nachhaltiges (Zusammen)Leben zu gestalten. Vor allem aber bin ich bestärkt – es gibt so viele Wege, es gibt so viele Projekte, so viele Menschen mit dem gleichen Ziel: Unseren Planeten zu erhalten, wertschätzend mit ihm und seinen Geschöpfen umzugehen und gutes Leben für alle zu ermöglichen.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass es Themen gibt, die einfach überall auftauchen, wo es Gemeinschaft gibt: Regeln vs. Autonomie, Verantwortlichkeiten und Pflichten, Sauberkeit, Privatsphäre vs. Gemeinschaft und Öffentlichkeit usw. Damit müssen wir uns immer wieder auseinandersetzen – die Frage ist nur wie.

Nachhaltig und suffizient leben – viel kann darunter verstanden werden. Wirklich Sinn ergibt es für mich erst, wenn versucht wird, in allen Lebensbereichen so zu handeln. Ein langer Weg, aber: Man ist nicht allein, viele Menschen zeigen schon auf, wie es gehen könnte.

Nun zieht es mich nach Hause. Denn das Wissen ist das eine – Taten sind das andere. Ich habe gesehen, was verschiedenste Menschen auf die Beine stellen, mit den Ressourcen, die sie eben haben. Jetzt ist es für mich an der Zeit anzupacken, damit es nicht mehr heisst „lokaler soll es werden“ sondern „lokaler Wirz“ – äääh, „lokaler wird’s“!

4.8.2018

JILL UND JEREMIAS

Zwischen Bahngleisen und Fabrikhallen wuchern auf dem Gelände eines Metal und Motoren Fanclubs die Brombeeren zu hohen Mauern hoch. Im Süden Harburgs, eine schöne Radtour von der Stadt weg, versteckt sich hier ein kleines Festival und lockt seine Besucher mit weitherum hörbaren Bassfrequenzen in ein Gewirr aus Heckenpfaden und offenen Tanzlichtungen und wieder verschlungenen Gängen. Willkommen am KKTF!

 
Wir helfen erstmal unseren Freunden vom veganen Burgerstand die Küche aufzubauen, raffeln Zwiebelringe und scheibeln Essiggurken, rühren Saucen an und schneiden den Seitan klein. Danach verliert uns die Zeit im ausbleichenden Tageslicht, den Darbietungen und in langen Gesprächen. Samstags brutzeln die Bulletten und knuspern die Fritten, knallen die Korken und zirpen die Grillen. Ein schönes Fest beschliest eine wunderbare Reise.
Eine Reise für die gute Konstitution und ein Leben fast ohne Verkehr und dem Warten aufs Vorwärtskommen. Immer freie Fahrt auf den breiten Radstrassen den Wiesen und Wäldern nach. Der Wind hält frisch und kühlt den Schweiss. In einem Sommer, der wiedermal zu heiss ist. Aber gut, es muss alles ein Ende nehmen. Danke fürs Lesen und mitgeniessen, für die Erlebnisse und Berichte der anderen Teams, für die Möglichkeit und die Motivation, die Reise zu starten. Klingeeeeliiinng.

 

VERONIKA

Zwei weiteren Projekten begegne ich auf der Suche nach Gemeinschaft und Gemüse: den LoBauerInnen und der Wilden Rauke. Beide Gruppen bauen für sich selbst an, Gemüsekörbe oder ähnliches für Externe gibt es nicht.

Die LoBauerInnen sind am Stadtrand Wiens anzutreffen, auf einem riesigen Areal mit ganz vielen anderen Projekten, alle zusammengefasst unter „Kleine Stadt Farm“.

Eingang zu den LoBauerInnen

Ich treffe auf Markus, der mich über das Gelände führt. Es sieht alles sehr grün und fruchtbar aus, Sonnenblumen ragen aus den Wäldern an Gemüsepflanzen hervor und verleihen dem Grossgarten ein freundliches Ambiente.

Es grünt überall

Es gibt alles, was das Herz begehrt: Mangold, Kürbisse, Zucchini, Aubergine (hier Melanzane genannt), Paradeiser (Tomaten), Fisolen (Bohnen), Wassermelonen und und und. Sortenerhaltung und Artenvielfalt sind hier wichtig, biologischer Anbau und Mischkulturen sowieso. Pfefferminz zwischen den Kartoffeln mache sich beispielsweise gut, das halte die Kartoffelkäfer im Zaum.

Um das Herzstück, eine Konstruktion aus Wassertanks und Bänken, zieht sich ein Kreis aus Kräutern aller Art.

Das „Herz“ der LoBauerInnen

Markus erklärt mir auch, wie die Gemeinschaft aufgebaut ist. Man übernimmt Zuständigkeiten für Kulturen, sät und pflegt also einen bestimmten Teil. Für engagierte Mitglieder gibt es zudem die Möglichkeit, eine eigene Parzelle zu bewirtschaften – um Experimente durchzuführen oder einfach noch mehr vom Lieblingsgemüse zu produzieren. Auch die Wege sollten gepflegt werden, aber leider kümmern dich nicht alle gleich intensiv darum. Wir leisten Abhilfe und rücken dem Gras mit Rasenmähern auf den Leib, nur bei den Schläuchen des Tröpfchensystems muss aufgepasst werden.

Mein Lohn fürs Rasenmähen: bio, regional, saisonal

Auch diese Gruppe hat so ihre Themen und Herausforderungen, wie alle, die ich bisher getroffen habe. Es ist ein ständiges Ausloten, wie viel Engagement und Gemeinschaft gut sind, und wo man sich zurückziehen muss. Am Freitag haben die LoBauerInnen ihr Planungstreffen für das nächste Jahr. Ich bin dankbar für den gewonnenen Einblick und wünsche euch, liebe LoBauerInnen, alles Gute. Danke für die Bestärkung, den Mut, den Austausch. Danke für das lokale Handeln, und das darüber hinaus reichende vernetzt sein.

Auf meinem Weg quer durch die Stadt begegnen mir haufenweise Streetart-Kunstwerke, Bio-Supermärkte, vegane Cafés und vegetarische Restaurants, politische Aufkleber, Outdoor-Fitnessplätze, einige Orte mit urban gardening (z.b. Karls Garten, s. Fotos) – alles, was eine Grossstadt so zu bieten hat.

Urban agriculture in Wien

Auch bei einem feministischen Buchladen komme ich vorbei (Chicklit) und ein freundlicher Mann erklärt mir, was QWIEN so macht, eine Bibliothek mit Archiv für die Geschichte und Kultur der LGTBQ*-Szene. Einmal mehr wird mir klar, dass Nachhaltigkeit nicht isoliert gelebt werden kann. Suffizienz und gutes Leben für alle muss sich um sämtliche Lebensbereiche ranken. Nachhaltigkeit bedeutet auch, respektvoll mit der Mit- und Umwelt umzugehen und anderen ihre Rechte einzugestehen – womit man dann bei Feminismus wäre. Aber zurück zu Gemüse und Gemeinschaft.

Eingang zur Wilden Rauke

Die Wilde Rauke befindet dich am Marchfeld-Kanal im Nord-Osten Wiens. Der Garten ist ein laaaaanger Streifen, rechts und  links von Feldern eingerahmt, die ebenfalls biologische Landwirtschaft betreiben. Lois führt uns durch den Garten und schon nach kurzer Zeit ist klar: Dieser Mensch verbringt viel Zeit hier, er kennt jeden Halm und ist mit allen Bienen per Du.

Lois erzählt begeistert von Gemüse aller Art

Lois hat viel zu erzählen: Vom Roggen, der zum Mulchen angebaut wird. Von Diskussionen über Wespenkugeln und Halbstämmer. Von den Fruchtfolgen, der Artenvielfalt, Experimenten, dem Tröpfchenbewässerungssystem und wie alles dokumentiert wird. Obwohl die Wilde Rauke (Rauke ist übrigens Ruccola) kein Gemüse verkauft, bemühen sie sich um ein Bio-Siegel. Sie scheinen an allen Fronten aktiv zu sein: Sortenvielfalt, Artenerhaltung (Wildbienen, Ziesel etc.), Samenherstellung, sogar stromautark sind sie mittlerweile, dank der Photo-Voltaik-Anlage auf dem Dach ihrer kleinen Hütte. Gebraucht wird Strom vor allem für die Pumpe und für den Elektrozaun. Der sei nötig, um die Rehe und Hunde abzuhalten. Sicher sind die Pflanzen damit noch lange nicht. „Egal welches Ungeziefer oder welche Krankheiten es gibt – bei uns kommt alles vorbei“, sagt Lois. Aber er hat einen langen Atem, hegt und pflegt die Kohlpflanzen, seine Lieblinge.

Wir bleiben lange bei der Wilden Rauke, trotz der brütenden Hitze. Lois erzählt uns auch vom Verein, Gemeinschaft wird bei ihnen gross geschrieben. Private Flächen gibt es bei ihnen nicht, alles ist Gemeinschaftsgut. Natürlich bringen sich alle verschieden ein, manche mehr, manche weniger. Eines der Themen sei auch die Nachfolge: Junge Menschen fehlen der Wilden Rauke, sie seien alles eher Akademiker*innen ab 40, 23 an der Zahl.

Auch Kinder sind hier ab und zu am Werk

Teils zwar mit Familien, aber eine Generation an jungen Erwachsenen fehle. Bleibt zu hoffen, dass es ein paar Menschen gibt, die nach und nach zur Wilden Rauke dazu stossen. Ich sage einmal mehr DANKE für die Offenheit und die viele Zeit, danke für das Engagement, danke für den langen Atem bei allen Widerständen.

Die LoBauerInnen, ein grünes Viereck Leben, und die Wilde Rauke, ein langer Streifen an Ernährungssouveränität: Zwei Projekte, die Gemüse und Gemeinschaft vereinen.

Ein langer Streifen Ernährungssouveränität

Zwei Projekte, die Menschen befähigen und sie ein Stück weit aus dem System aussteigen lassen. Zwei Projekte, wie es sie zuhauf gibt in Wien, und trotzdem einzigartig. Zwei Projekte, die zeigen, was Nachhaltigkeit leben bedeutet.

 

TEAM UNFASSBAR

Nach unserem Besuch bei Baptiste in Freiburg machen wir uns auf den Weg zurück ins Bernbiet und besuchen Velafrica.

Paolo (rechts) ist der Gründer von Velafrica. Alte Fahrräder können gespendet werden. In der Werkstatt passiert Ausbildung für Flüchtlinge und Menschen mit anderweitig geringen Berufschancen. In Bern-Liebefeld werden die Räder fit gemacht und anschliessend im Container nach Afrika verschifft. Dort ermöglichen die Velos erhöhte Mobilität und Berufschancen für die neuen BesitzerInnen. In Afrika sind Velos lebenswichtig für den Warentransport. Gleichzeitig werden afrikanische Velo-Reparatur-Werkstätten aufgebaut.

Der Zivi von Velafrica organisiert das Verladen der Bikes. Für 200 Räder braucht er mit 15 Helfern ca. 3 Stunden. 25’000 Bikes werden von Velafrica pro Jahr nach Afrika gebracht. In nächster Zeit wird das 200’000te Bike verladen.

Auf dem Areal Waldeggstrasse 27 in Liebefeld betreibt die Stiftung Sinnovativ auch den „Drahtesel“ (Sozialprogramm zur Instandsetzung und Auffrischung von alten Fahrrädern für den Schweizer-Markt) und den „Dreigänger“. Das ist ein Restaurant mit Secondhand-Laden, wo ebenfalls Inspiration und Integration passiert.

Unser letzter Halt: Toni Bühlmann – der Brauer unseres „Pfaff-Biers“ in Jegenstorf: Dass er gerade vor paar Tagen ausgerechnet zum Thema „Bier und Nachhaltigkeit“ bei SRF porträtiert wurde, ist ein glückliches Zusammentreffen. Wieviel Schweiz steckt im Schweizer-Bier?  https://www.srf.ch/play/radio/rendez-vous/audio/wieviel-schweiz-steckt-im-schweizer-bier?id=4c033c1c-3e34-4e05-8fe0-ac2b993648f9&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a7

Gut zwanzig Personen feiern mit uns den Reise-Abschluss – sinnigerweise ein kühles „Märzen-Bier“ bei 32Grad am Schatten.

 

KATJA UND MIMI

Nach unserem Spa-Tag haben wir auf einer weiteren Free Walking Tour Budapest erkundet und viel Wissenswertes über die Stadt und Ungarn erfahren. Unser Guide Erika zeigt mit so viel Freude ihre Heimat, dass wahrscheinlich alle Teilnehmenden der Tour Budapest am Ende toll finden.

Ausblick von Buda auf Pest

Ein weiteres Must-Do in Budapest sind die berühmten Ruin Bars. Heute sind sie grosse Attraktionen für Tourist_innen, aber auch viele Einheimische tummeln sich an diesen Orten. Begonnen hat das Ganze vor etwa 15 Jahren. Im ehemaligen jüdischen Ghetto (Distrikt 7 von Budapest) gab es durch die Geschehnisse im zweiten Weltkrieg sehr viele leerstehende Gebäude, die nicht mehr genutzt wurden und zu verfallen drohten. Im Jahr 2004 hatten ein paar Studierende die Idee, diese Gebäude umzunutzen (sozusagen zu recyceln) und einen Ort für Studierende zu schaffen. Sie haben das Haus aber nur so stark renoviert, dass es sicher war. Genommen haben sie dazu alle Materialien, die sie irgendwie auftreiben konnten und die günstig waren (Möbel von Oma, alte Fahrräder, Badewannen als Stühle etc. etc.). Entstanden ist ein lustiges Gemisch aus alt und neu: Szimpla war geboren.

Vor allem an Sommerabenden sind die Ruin Bars immer voll besetzt

Das Konzept kam an: nach und nach eröffneten mehr Ruin Bars ihre Tore. Heute gibt es viele verschiedene – manche schicker, manche rustikaler, manche in Buda, aber die meisten immer noch in Distrikt 7. Worte können schlecht beschreiben, wie diese Orte aussehen. Deshalb anbei ein paar Eindrücke (Fotos widerspiegeln auch nicht wirklich alles):

  

Einerseits ist die Idee, solche Orte zu kreieren natürlich toll. Leider nur ist der grosse Ansturm mittlerweile mit viel Lärm für die Anwohnenden verbunden – etwas, wofür die Stadt wohl noch eine bessere Lösung finden muss.

Für uns geht es heute Abend mit vielen Eindrücken im Gepäck wieder nach Hause.

 

VERONIKA

Schon lange schulde ich euch den Bericht über meinen zweiten Stop dieser Reise: Zwei Tage verbrachte ich beim Hofkollektiv Zwetschge (http://www.hofkollektiv-zwetschke.net/), die auf einem Hof („Holzmühle“) im Waldviertel wohnen. Es fällt mir schwer, diese Tage in Worte zu fassen und greifbar zu machen. Viele intensive und persönliche Gespräche fanden statt und klingen noch immer nach, obwohl die meisten Zwetschgen ferienhalber abwesend waren. Aber fangen wir mit einem kurzen Überblick an, wer die Zwetschgen sind und wie sie so leben.

grün wohin das Auge reicht

Über die Ansichten und Werte der Zwetschgen lässt sich vieles auf der Homepage finden. Was ich verstanden habe und miterleben durfte, ist eine Gemeinschaft aus Menschen, die ihre Leben miteinander verweben. Nicht nur im Bereich wohnen, auch eine gemeinsame Ökonomie wird gelebt – es gibt also ein Konto für alle. Alle geben was sie haben, alle bekommen was sie brauchen. Spannenderweise gehören zum Zwetschgenkonto auch ein paar Menschen, die nicht auf dem Hof wohnen. Es entsteht also ein Netz, was Vorteile und Herausforderungen mit sich bringt.

Projekte und Möglichkeiten haben die Zwetschgen genug: die Wassermühle wieder in Betrieb nehmen (um Strom zu erzeugen), eine Halle mit Bühne für Kulturveranstaltungen, ein Seminarraum, ein riesiger Garten bzw. ein Feld… es gibt Gänse und Hühner, grosse Geschäfte werden auf einem der drei Kompostklos verrichtet, kleine irgendwo im Grünen, nur den Frauenmantel soll man bitte verschonen, lese ich im Info-Ordner.

Pilzkultur

Teils gehen die Zwetschgen einer Lohnarbeit nach, teils stecken sie ihre Energie in das Kollektiv oder machen sich gerade beruflich selbstständig. Auf dem riesigen Feld wächst haufenweise Gemüse, auch Leute von ausswärts können hier einkaufen. Zusätzlich stellen die Zwetschgen Produkte wie Wildkräuterdalz, Kräuteressig, Kräutertee, Chilisauce und so weiter her. Auch eine Foodcoop gibt es, hier wird nichts ausgelassen.

Mit Frank, der ein Alter um die 60 erreicht hat, drapiere ich Mulch-Material um Rosen- und Beerenstöcke. Er erzählt von den verschiedenen Gemeinschaften, in denen er bereits gelebt hat. Visionen, Ideale, Methoden unterscheiden sich immer und sind doch überall nah beieinander. Ich bewundere diese Fähigkeit, sich einzulassen, emotional wie auch in Bereichen wie den Finanzen, und sich ganz der Gemeinschaft hinzugeben, ohne sich selbst zu verlieren. Dabei wird selten der Anspruch erhoben, dass das nun für immer gilt – viele ziehen weiter, sind im Laufe der Zeit Teil mehrerer Kollektive, wie es eben gerade passt. Auch bei den Zwetschgen stehen Wechsel an: Menschen gingen, Neue kommen, sie durchlaufen einen langwierigen Aufnahmeprozess. Das soll helfen, nicht zu viel Energie zu verlieren und sich an unnötigen Stellen aufzureiben.

Hausregeln I

Auch mit Anja, einer der Gründerinnen, und Lukas, der vielleicht bald eine Zwetschge sein wird, rede ich länger. Sie gehören zur jüngeren Generation und hängen ein wenig zwischen der „klassischen Welt“ mit Krankenkassen und Arbeitsmarktservice und eben einer anderen Welt, in der für alles gesorgt ist und sich alle so einbringen, wie sie es eben gerade können und wollen. Wir sprechen über eigene Vorstellungen, Mut, Beruf(ung) und Pflichten, über das „reinpassen“ und den Super-Mond mit Mondfinsternis. Es sind intensive Gespräche und ich merke: Das sind Menschen, die nach einer ganzheitlichen Lösung suchen. Ihre Werte und Visionen sollen sich durch alle Lebensbereiche ziehen und nicht nur in einem Teil wiederspiegeln.

Hausregeln II

An meinem zweiten Tag fahren wir ins nahe Gmünd, einer Stadt direkt an der tschechischen Grenze, bzw. auf: ein Teil der Stadt befindet dich in der tschechischen Republik. Dort findet ein Festival statt, zur grenzübergreifenden Verständigung, /“Übergänge“ heisst es. Es gibt Musik, billiges Bier, die Stimmung ist volksfestähnlich. Eine Tanzgruppe aus Prag macht mit dem Publikum einen Flashmob zum allerseits bekannten Lied „Happy“, dann lässt die Band „The Beatles Revival“ Yesterday, Let it be und She loves you wieder aufleben. Die Grenzenlosigkeit wird gefeiert „we have no borders“ heisst es. Mit einem Oldtimerbus fahren wir in den tschechischen Teil, man merkt den Übergang nicht, nur die Strassenschilder sind plötzlich anders. Neben mir sitzt ein junger Mann aus Afghanistan, er darf Österreich nicht verlassen, er verpasst die Hälfte der Konzerte. We have no borders.

Pianomobile am Kulturfest „Übergänge“

Vieles liesse sich noch erzählen zu diesen Tagen. Belassen wir es für den Moment bei folgendem: Die Offenheit der Zwetschgen beeindruckt mich. Und vor allem, dass trotz aller Herausforderungen und der immer wiederkehrenden Themen (Sauberkeit, Regeln vs. Autonomie, Privatsphäre vs. Gemeinschaft etc.) Menschen wieder und wieder bereit sind, Energie für das Zusammenleben und dieses Konzept des Miteinanders aufzubringen. Ich sage: Hut ab und DANKE liebe Zwetschgen, für Gastfreundschaft, die Gespräche, das Teilhaben lassen.

3.8.2018

CHARLOTTE

 

EVA UND MARIA

Im Villnösstal zu Besuch auf einem Bio-Hof

Ferien auf dem Bauernhof ist für uns beide eine schöne Kindheitserinnerung. Macht uns das auch als junge Erwachsene noch Spass? Gestern sind wir also auf dem im Internet gefundenen Hof eingetroffen, wo wir ein paar Tage als freiwillige Helferinnen mitanpacken. Da für die Feriengäste gerade eine Käsedegustation stattfand, konnten wir bei unserem Eintreffen direkt Mitprobieren und wurden herzlich empfangen.

Auf dem Hof wird Verschiedenstes selber hergestellt neben Käse auch Brot, Sirup und diverse Produkte aus Früchten. Heute haben wir geheut, kiloweise Aprikosen gepflückt und Himbeeren gestutzt. Obwohl es der zweite Schnitt ist, ist gemäss Leo, dem Bauern, die Heuernte ausgesprochen spärlich ausgefallen. Grund dafür sei die anhaltende Trockenheit.

Trotz der Anstrengung waren wir abends noch für eine Partie Volleyball aufgelegt. Auch aktive Ferien können also Erholung bringen. Wir sind gespannt, was wir noch über die Bio Landwirtschaft erfahren werden.

 

KATJA UND MIMI

In Budapest angekommen, müssen wir uns zuerst wieder an die Grösse der Stadt gewöhnen. Wir finden aber sehr schnell Gefallen an der zweigeteilten (Buda und Pest) Hauptstadt Ungarns. Besonders fotogen ist natürlich das Parlamentsgebäude an der Donau. Auch wenn wir nicht unbedingt Fan davon sind, was momentan da drin passiert: schön ist es trotzdem!

Einmal nachts…
… und einmal bei Tageslicht

Was uns etwas zu schaffen macht ist die Währung. Am ersten Tag bekommen wir immer einen Mini-Schock, wenn wir die Preise sehen (1 CHF entspricht etwa 250 Ungarischen Forint).

Ebenfalls am ersten Tag statten wir einem der zahlreichen Bäder Budapests einen Besuch ab. Budapest ist bekannt für sein heilendes Thermalwasser und ist die grösste Kurstadt weltweit. Im 19. und 20. Jahrhundert führte das zu einem regelrechten Badetourismus. Heute locken wohl auch andere Sehenswürdigkeiten Reisende hierher, aber wenn man den Einheimischen glauben darf, war man nicht richtig in Budapest, wenn man in keinem Spa war.

Wir entscheiden uns für das Lukács-Bad. Es ist zwar etwas kleiner als die bekanntesten Bäder (zB. Gellért- oder  Széchenyi-Bad), lockt aber dafür mit einer Dachterrasse und liegt in wunderschöner Umgebung auf der Buda-Seite der Stadt. Das Gebäude gibt es schon gut 150 Jahre! Für etwa 20.- CHF bekommt man einen Eintritt inklusive Spind und Zugang zu den meisten Pools und Saunen.

Ausblick von der Dachterrasse

Ihr seht, uns geht es gut. So tiefenentspannt wie wir jetzt sind, werden wir den Endspurt gut schaffen.

2.8.2018

VERONIKA

Die zweite Woche meiner Reise verbringe ich bei einer Freundin in der Nähe von Wien. Sie war es, die mich überhaupt für nachhaltiges Leben und vor allem Landwirtschaft begeisterte. Durch sie lernte ich, was Klimaschutz bedeutet, was foodsaving und -sharing ist, wie Foodcoops und Kochkollektive funktionieren (https://m.facebook.com/minimalkitchen/?locale2=de_DE). Sie versorgt mich mit Literatur (z.B. Naomi Klein – This changes everything) und beeindruckt mich immer wieder mit ihrem Engagement und Aktivismus (https://systemchange-not-climatechange.at/de/neuigkeiten/). Am ersten Tag nach meiner Ankunft verarbeiten wir tonnenweise Zwetschgen (zu Kuchen und „Powidl“, Zwetschgenmus) und Holunderbeeren (zu Sirup, schmeckt besonders gut mit Bier), bis unsere Finger tief violett sind. Wir sprechen über Reisen und dass Leute besuchen (bekannte oder noch nicht bekannte) viel spannender für alle ist, und wie Feminismus und Klimawandel zusammenhängen.

Auch von Ochsenherz erzählt mir die Freundin und so mache ich mich mit dem Fahrrad über die Felder und durch Wälder (und durch Strasshof – ein ewig langer Ort (sogenannte Marktgemeinde), in dem ein Eisenbahnmuseum steht, da die erste Dampfeisenbahn Österreichs von Wien dorthin fuhr) auf zur GeLa Ochsenherz (Gemeinsame Landwirtschaft). Den Betrieb gibt es schon seit vielen Jahren und er gilt als Vorzeigebetrieb im Bereich der CSA, community supported agriculture. Ochsenherz schreibt auf ihrer Homepage: „Dahinter steht, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb seinen Fortbestand nicht dadurch sichert, “marktgerecht” und “wettbewerbsfähig” zu produzieren, sondern indem eine Gemeinschaft von Menschen sich mit dem Betrieb verbindet, dessen Erzeugnisse verbindlich abnimmt und durch Beiträge, die von Produktpreisen entkoppelt sind, die Ausgaben der Betriebsführung abdeckt.“ Mehr dazu auch im Film „Bauer sucht Crowd“ (https://m.youtube.com/watch?v=Q4RoHopcAr8).

Aber beginnen wir am Anfang: Als ich ankomme, brennt die Sonne und die anderen sind schon auf dem Feld. Ich geselle mich zu ihnen, wir „zupfen Karotten“, jäten also die endlosen Reihen und verschaffen den zarten Karottenpflänzchen so wieder ein bisschen Luft. Rosi erzählt dabei ein wenig über den Betrieb. Momentan seien sie in einer Phase des Umbruchs, eine Übernahme steht an, die Gespräche sind schwierig. Gemeinsam essen wir in einem Wohncontainer und verkosten verschiedene Tomatensorten, die Valencia gewinnt eindeutig.

Ochsenherz verkauft auch Jungpflanzen und stellt eigenes Saatgut her, Firmen wie Monsanto haben hier keine Macht. Stattdessen werden Sortenvielfalt und biologisch-dynamische Landwirtschaft (Demeter) gross geschrieben. Etwa 180 Personen haben einen Ernteanteil beim Ochsenherz, meist mit Familien. Eine ganz schöne Anzahl Menschen also, die ihr Gemüse regional und saisonal beziehen können, in ausserordentlicher Qualität. Das kostet natürlich auch, aber nach den paar Stunden bei den Karotten weiss ich einmal mehr, warum: Landwirtschaft, Feldarbeit ist hart und hat nichts mit der romantischen Vorstellung von „im Liegestuhl den Pflanzen im Garten beim Wachsen zuschauen“ gemein.

Viel mehr kann ich den Ochsenherzen nicht entlocken, zu beschäftigt sind sie mit den internen Prozessen.

Ausserdem muss ich weiter, es wartet schon ein nächstes Abenteuer auf mich: Zwei weitere Projekte stehen noch auf dem Programm, lest in den kommenden Tagen selbst!

Danke an dieser Stelle für die Offenheit, das unglaublich leckere Mittagessen und es bleibt zu hoffen, dass am Ende des Übernahmeprozesses mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen stehen.

 

JILL UND JEREMIAS

Lösung der Interaktionschallenge „Kreiert gemeinsam mit anderen Personen eine Foto-Story zum Thema nachhaltige Mobilität“:

FOTOSTORY

Bevor wir uns geradeweg dem Komfort einer Wohnung und dem Stellplatz für ein Tandem nähern, fahren wir den kleinen Umweg über die südöstlich von Hamburg gelegene Boberger Niederung. Im 350 Hektar kleinen Naturschutzgebiet koexistieren hier auf engstem Raum die unterschiedlichsten Lebensräume, im wesentlichen handelt es sich um fünf charakteristische Naturräume. Auf den jeweiligen Bodentypen hat sich eine spezialisierte Flora entwickelt, welche zahlreichen gefährdeten Arten Lebensraum bietet. Im nördlichen Teil der Niederung hebt sich die bis zu 30 Meter hohe Geest auf, daneben wellen sich die grossen Binnendünen, die alsbald in die Heide übergehen, welche an gewissen Stellen in Brachland ausläuft und schliesslich dem Feuchtgrünland Platz lässt, dem landschaftstypischen Marschland. Schliesslich führen die schmalen Gehwege durchs Achtermoor. Die Unterschiedlichkeit der Vegetationszonen fördert eine vielschichtige Tierwelt, was die Einmaligkeit des kleinen Fleckens komplementiert.

Gut, aber über Naturschutzgebiete lässt sichs auch anderswo noch nachlesen, der kleine Exkurs war unser Begeisterung geschuldet. Unweit der Niederung, liegen die lauschigen Badewiesen der Dove Elbe, einem Nebenfluss der Elbe. Dort treffen wir auf Martha, die auch gleich Gelegenheit bietet, die letzte Interaktions-Aufgabe zu lösen: Kreiert mit anderen eine Fotostory zum Thema „nachhaltiges Reisen“. Martha geniesst ihre Sommerferien und fährt mit dem Fahrrad jeden Tag an irgendeinen Badestrand irgendwo rund um die Stadt. Heldin der nachhaltigen Freizeitgestaltung! Bewundernswerte Widersetzerin dem Diktat der unbegrenzten  Mobilität! Also dann, in Haaaaaambuuuurg sagt man tschüüühüs, das heisst auf Wieeeederseeeheen!

EVA UND MARIA

Wir haben die dritte Interaktionsaufgabe „Sucht, findet und schenkt ein nachhaltiges Geschenk und erklärt der beschenkten Person was dahinter steckt“ gelöst. Unsere Wanderkarte der Sextener Dolomiten haben wir einer Familie, die gerade am Bahnhof angekommen war und ihre Ferien in der Region noch vor sich hat, verschenkt. Sie freuten sich über das Geschenk und sagten, dass sie dies eine tolle Idee fänden.

VERONIKA

Es geht Schlag auf Schlag, die Tage sind gefüllt. Heute möchte ich von meinem Besuch bei Hut und Stiel (www.hutundstiel.at) erzählen.

Hut und Stiel ist ein junges Vorzeige-Start-up. Aufgebaut von zwei Studenten floriert es und ist momentan in einer Expansionsphase. Im Büro / Laden / „Garten“ treffe ich auf Fabian, der mir geduldig meine vielen Fragen beantwortet. Aber was macht Hut und Stiel überhaupt?

Die Idee ist einfach: Das Abfallprodukt Kaffeesatz (hier Kaffeesud genannt) wird verwendet um Austernseitlinge (auch Rindfleischpilz genannt, wegen seiner Konsistenz) anzubauen. Mitten in der Stadt, in einem unscheinbaren Keller – das Essen soll einen möglichst kurzen Weg zurück legen. Per Lastenfahrrad wird der Kaffee bei den Kaffeehäusern abgeholt, später werden die fertigen Pilze mit gleichem Transportmittel an Gasthäuser geliefert.

An und für sich eine geniale Idee, mittlerweile wird das junge Unternehmen teilweise sogar dafür bezahlt, dass sie den Kaffeesud mitnehmen (entsorgen wäre teurer).

Je nach Qualität des Suds muss der dann noch ausgepresst werden (momentan noch mit einem Entsafter), denn Kaffeesud von Filterkaffee beispielsweise ist zu feucht für die Pilze.

Dann kommt der Sud oder Kaffeesatz zusammen mit Kalk (um den pH-Wert zu korrigieren, in der Regel ist der Satz ein bisschen zu sauer), Kaffeehäutchen (Abfallprodukt aus der Kaffeeröstung, macht die Geschichte ein bisschen luftiger und vereinfacht es dem Pilz zu wachsen) und natürlich den Pilzsporen (wird momentan noch zugekauft, kleine weisse Punkte auf Hirsekörnern) in einen Betonmischer. Dieses Gemisch wird dann in Säcke abgefüllt und die Phase der Inkubation folgt: Das Pilzmyzel durchdringt das Substrat komplett.

Die Säcke hängen dafür in einem der Kellerräume – ab 30°C sterben die Pilze, es sollte also kühler sein. Gar nicht so einfach, denn die wachsenden Pilze heizen die Säcke und damit dem Raum ordentlich auf. Ist die Inkubationsphase abgeschlossen (der Sack ist dann fest und dicht, ähnlich wie Kaffeeverpackungen), werden die Säcke in einen anderen Raum gebracht und aufgeschnitten.

Dort muss die Luft frisch und feucht sein, und noch ein bisschen kühler. Bereits nach kurzer Zeit sind erste Fruchtkörper zu erkennen, die Pilze können wenige Tage später geerntet werden. Insgesamt dauert der Prozess etwa 5 Wochen – „fast food“ also…

Ich bin beeindruckt – vom Prozess, dem Fachwissen, und dem ganzen Konzept dieser jungen Menschen. Das Unternehmen ist durchgestylt und hip, von den Büroräumen bis hin zum Flyer. Ich kaufe ein – Pilz-Pesto und Sugo, Produkte der Verarbeitung von „B-Ware“, also z.B. kleineren Pilzen.

Mit Gläsern und Prospekt bestückt verlasse ich den Innenhof, in dem mitten in Wien ein Pilzimperium heranwächst. Ganz fassbar waren die Jungunternehmer bei aller Freundlichkeit nicht, zu glänzend ist das gezeichnete Selbstbild. Gleichzeitig habe ich gegen Ernährungssouveränität, lokale Produktion und Aufwertung von Abfallprodukten nichts einzuwenden. Auch soll durch mehr Pilz der Fleischkonsum verringert werden – ebenfalls ein unterstützenswertes Ziel. In den Gast- und Medienhäusern Wiens findet das Projekt grossen Anklang. Also für alle, die lieber Landwirtschaft in Kellern betreiben und auf der Suche nach Start-up Ideen sind: Geht in die Austernseitlingsproduktion auf Kaffeesatz.

1.8.2018

CHARLOTTE

 

EVA UND MARIA

Berghütten feeling pur.

Heute nächtigen wir in der vierten und letzten  Berghütte unserer Tour und lassen den Tag noch mit Blick in die Ferne ausklingen.

Alpintourismus hat ja zum Ziel, schöne Landschaft, Artenvielfalt und Ruhe geniessen zu können. Wenn ein Ort zum Anziehungspunkt für Viele wird, aber als Naturpark geschütz werden soll, stellt sich natürlich in diversen Bereichen die Frage nach Nachhaltigkeit. So haben wir uns überlegt, wie das ganze Essen auf den Berg kommt. In den Hütten wird den Gästen jeweils ein schmackhaftes 3-Gänge-Menu geboten, was natürlich alles zuerst hochgebracht werden muss. Anders als in der Schweiz üblich, waren aber alle besuchten Hütten mit einem Schotterweg erreichbar. Somit läuft die Belieferung schon einmal nicht über Helikoptertransport.

Sehr häufig wird in den Hütten Fleisch serviert, was sicher Gründe in Gewohnheit, Einfachheit und Gästeerwartungen hat. Da aber kein Mensch täglich Fleisch braucht, wäre es doch ein innovatives Tourismuskonzept eine vegetarische Alphütte zu betreiben. Die Frage ist, ob dies Begeisterung oder Empörung auslösen würde. Nebst der Transportthematik scheint in den Hütten auch die Wasserversorgung ein Thema zu sein, denn immer wieder wird man aufgefordert Wasser zu sparen. Da dies ziemlich problemlos geht, merkt man, dass man vielleicht auch im Alltag mit weniger Ressourcen auskommen könnte.

Da uns beim Losmarschieren von einer Hütte Abfall auf dem Boden auffiel, haben wir kurzerhand entschieden auf dem Weg ins Tal alles Herumliegende aufzusammeln (angetroffene Windeln und WC-Nastüchli ausgenommen ;-)). Erfreulicherweise kam auf dem dreistündigen Abschnitt nur eine kleine Tüte Abfall zusammen. Abgesehen von verlorenen Verpackungsschnippseln waren einige Zigarettenstummel dabei. Aus Interesse haben wir gegoogelt und festgestelt, dass diese nicht nur langsam verrotten sondern zudem bis zu 60 Liter Grundwasser verunreinigen.

Unsere Interaktionschallenge haben wir erfolgreich gelöst und erfahren, dass die Hüttenmitarbeiterin das Meer generell als Lieblingsferiendestination hat, aber nach einer Saison als Animateurin nun doch lieber im Naturpark arbeitet.

 

TEAM UNFASSBAR

Hitze auf dem grossen Moos vor Murten. Wie im Video angekündigt, sind wir auf dem Weg nach Freiburg zu Pistes Recyclables (www.pistesrecyclables.ch).

Nach einer Nacht in Murten kommen wir in Freiburg bei Baptiste Morier an. Nach dem Soziologiestudium verschreibt er sein Leben der Weiterentwicklung von CargoBikes. Er findet für seine Kunden massgeschneiderte Lösungen. Auch die Unfassbar wurde durch sein Knowhow wesentlich verbessert.

Seine interessierte und hilfsbereite Art ist für uns einzigartig.

Dieses Gefährt soll demnächst einen Schulbus ersetzen. Acht Kinder und eine erwachsene Person am Steuerrad, die sich im Strassenverkehr sicher bewegt. Alle haben Spass und Bewegung.

Der „Neighbor Hub“ auf dem gleichen Areal gewann den ersten Preis bei einem  Oeko Wettbewerb.  Es ging um ein Nullenergie Einfamilienhaus. Die Teilnehmenden aus Fribourg sagten sich: Wenn schon Energie-Effizient, dann gleich als Community, die viele Ressourcen teilt.

Auch die «Ässbar» setzt auf die Innovationen von Baptiste.

Baptiste erzählt von seinen Anfängen.

 

KATJA UND MIMI

Bratislava, du Perle!

Wir sind kurz davor, nach Budapest weiterzureisen. Natürlich freuen wir uns sehr auf die neuen Eindrücke, aber unser Herz tut auch ein bisschen weh, Bratislava zu verlassen. Die kleine süsse Altstadt, das Donauufer und die schönen Ausblicke vom Schloss haben es uns mehr als angetan. Anbei ein paar Eindrücke, damit ihr wisst, von was wir da so schwärmen:

Bratislavas blaue Kirche: heisst eigentlich St. Elisabeths Kirche. Wird aber liebevoll auch Schlumpfkirche genannt.
Ausblick auf Bratislavas Schloss

Wir haben auch einen kleinen Ausflug nach Devin unternommen. Dort gibt es eine Schlossruine, von wo man einen wunderschönen Ausblick hat:

Auch Nachhaltigkeit scheint Bratislava wichtig zu sein. Es gibt eine Kampagne namens Zelena Bratislava (grünes Bratislava), die sich für grüne Plätze in der Stadt einsetzt und auch die Bevölkerung zum Thema Nachhaltigkeit informiert:

  

So, uns steht wieder eine Zugfahrt bevor. Bis bald in Budapest!

31.07.2018

KATJA UND MIMI

Die nächste Interaktionschallenge „Bittet jemanden eine Postkarte für euch zu schreiben und somit eueren Freunden zu erklären wo ihr seid und was ihr tut“ endete in einer superschönen Hostelfreundschaft. Wir haben unsere Mitbewohnerinnen aus Holland gebeten, die Karte zu schreiben. Sheranie und Samanta sind ebenfalls Schwestern, die am interrailen sind. Was für ein Zufall!

Die Karte schreiben sie auf sehr kreative Art und Weise wie ihr auf den Fotos sehen könnt. Sie haben einen ganzen Brief geschrieben und an die Karte geklebt. Damit dieses Kunstwerk nicht zerstört wird, haben wir die Karte also nicht auf traditionellem Weg versendet, sondern in ein Couvert gesteckt. Unser Bruder wird sich bestimmt darüber freuen 😉 (er liest diesen Blog, also Philipp: spoiler alert!)

Wir haben uns natürlich mit ihnen über unsere Challenge unterhalten. Dabei stellte sich heraus, dass Sher in einem Hostel in Utrecht arbeitet und da «sustainability ambassador» ist. Wir unterhalten uns lange über Nachhaltigkeit in Hostels und Tourismus allgemein.

Shers Hostel heisst Stayokay und ist eine Hostelkette in Holland, sie haben zum Beispiel ein zero waste Frühstück, alle ihre Arbeitskleidung besteht aus recycelter Kleidung etc.

Mehr Infos: www.stayokay.com

Wir verstehen uns also richtig gut und geniessen einen super letzten Abend in Bratislava, bevor sie nach Prag und wir nach Budapest weiterreisen.

Thanks for the fun times girls ♥

 

JILL UND JEREMIAS

Von Uithuizen ist es ein eher kurzes Stück, bis wir kurz vor Leer die Grenze zu Germanien passieren. Wir radeln landeinwärts in Richtung Varel und von dort noch ein bisschen zum schwimmenden Moor. Wie, was jetzt? Ein Moor soll schwimmen? Verstehen wir auch nicht und stellen unser Tandem erstmal zum Strand hin, weil da drüben siehts nach Fritten aus. Dazu ein friesisch-herbes Jever. Wir selbst sportlich, gut gebräunt und noch besser gelaunt, setzen uns auf die Holzbänke und fühlen uns wie eine Idee aus einer Werbeagentur. Im Hintergrund, das Wogen von Küstengras, dazu einsetzender Sonnenuntergang. Ihr wisst schon, eine Bierwerbung. Oder so.

Auf jeden Fall trifft uns ganz unverhofft das Glück, dass wir von Claus angesprochen werden. Ihm gefällt unser Tandem und nach kurzem Gespräch, unser Vorhaben und Reiseweg. Und ihm fällt auch gleich einiges zu erzählen ein.

Vom Friesenland, von den verschiedenen Dialekten, von den Oldenburgern, die den Deich vor seinem Haus anno dazumals errichten liessen und vielem mehr. Schliesslich auch mit viel Begeisterung vom schwimmenden Moor, einer touristischen Sensation, zumindest für diejenigen, die sich für die komplexen geo- und hydrologischen Zusammenhänge interessieren, die das Moor schwimmen lassen. Das bewaldete Moorgebiet liegt vor dem Deich zum Wasser des Jadebusens hin. Bei Sturmfluten und Hochwasser hebt sich der ganze Grund mit an und steigt mit dem Wasser hoch nach oben. Das heisst, die Bewohner der Häuser auf der anderen Deichseite sehen dann aus ihrem Küchenfenster die Baumwipfel des Moorwaldes. Ein faszinierendes Schauspiel, welches aber bedroht ist, da dass Moor immer kleiner wird.

Wir verbringen einige Zeit in Clausens Garten und freuen uns darüber, dass wir mit ihm „eine Person finden die kein Auto hat“ gefunden haben, eine weitere Interaktionsaufgabe, und fragen ihn gar erst nicht nach dem weshalb und wieso. Das erzählt er schon von selbst, geschwätzig wie er ist. Er sei zu alt und zu gut im Schuss für ein Automobil, die Füsse tragen ihn zuverlässig auf den Spaziergängen ums Haus und die Waden treten kräftig in die Pedalen, wenn er mal zum Bahnhof hin und wegfährt. Wir verabschieden uns etwas schwermütig über die leider nur kurze Begegnung und fahren weiter, Bremerhaven im Sinn, in Richtung Osten. Oh, Hamburg ist ja gar nicht mehr weit!

 

TEAM UNFASSBAR

Bernhard und Tobias haben uns am Ökozentrum besucht. Danke für den netten Besuch!

Und hier kommt ein Video der zwei:

CHARLOTTE

Die Interaktionsaufgabe „Frag Leute nach ihren Sommerferien-Destinationen, mach eine Liste und unterhalte dich mit ihnen über nachhaltiges Reisen“ ist erfolgreich gelöst.

 

VERONIKA

Berichte über Reisen sollte man ja immer möglichst zeitnah verfassen, damit die Erinnerungen noch frisch sind. In meinem Fall würde der Bericht über die beiden Fahrradtage am 26. und 29.7. in etwa so klingen: heiss, lang, Tiere, hügelig, aua, Wassernot, Berge, weit, Wegweiser suchen, Schmerz, Proviant?, Sonnencreme, Kilometer, tote Tiere, HIMALAYA, noch heisser, Durst…

…ihr seht das Muster. Und ich möchte auch nichts beschönigen, beide Tage waren lang und anstrengend, für den Körper wie den Geist. Trotzdem möchte ich ein paar Punkte der beiden Tage herausheben:

  • In den frühen Morgenstunden, an der Trais auf dem Weg nach St. Pölten, komme ich mir vor wie im Paradies. Mäuse huschen über den Weg, Hasen hoppeln auf der Wiese umher, ein Reh begutachtet den Mais. Im Verlauf der Tour entdecke ich noch viel mehr Tiere, tote wie lebendige: viiiiiele Rehe, einen Maulwurf, Frösche und Kröten, Mini-Eidechsen, verschiedenste Vögel (Störche, Milane, Singvögel…), Raupen, Ameisenheere, Unmengen an Ziesel (Exkurs zu Zieseln: gehören zu den Erdhörnchen. Weibchen vererben ihren Bau an ihre Töchter, die Männchen werden vertrieben. Ausserdem überleben die Weibchen die Männchen um fünf Jahre, was bei einer Lebenserwartung von 11 (weib.) respektive 6 (männ.) Jahren eine ganze Menge ist.)
Morgenstimmung
  • Das Waldviertel eignet sich nicht wirklich für längere Touren mit Gepäck. Es ist hügelig und nach jeder, und zwar wirklich jeder Abfahrt wartet ein umso steilerer Anstieg. Runter gehts in 30 Sekunden mit 12% Neigung, hoch in 30 Minuten mit 13%. Manchmal folgt nach einem Anstieg auch keine Abfahrt, sondern einfach ein nächster Anstieg. Ich zweifle nicht nur einmal an mir und frage mich ernsthaft, warum ich mir das eigentlich antue. Scheiss auf öko, das nächste Mal nehm‘ ich das Auto.

Dann merke ich wieder: Es macht mir Spass zu sehen, was ohne Sprit möglich ist. Es ist spannend, den Körper an seine Grenzen zu bringen und darüber zu staunen, was für Energien in uns stecken. Und es ist alles eine Frage des Anspruch: Auf zwei oder drei Tage verteilt, wäre es eine wunderschöne Tour gewesen. Ich wollte innerhalb eines Tages ankommen, und deshalb die Strapazen auf mich genommen. So wie sonst die Umwelt für unsere Bequemlichkeit „zahlt“, zahlen in diesem Fall mein Körper und mein Geist. Mit dem Unterschied, das letztere sich schnell regenerieren (wenn man denn nicht übertreibt und seinen Körper ruiniert). (Kurze Anmerkung und Empfehlung: Von Gföhl nach Krems über Senftenberg ist die schönste Strecke überhaupt. Etwa 45 Minuten Abfahrt, schnell, kurvig, durch den Wald. Unglaublich schön und befreiend.)

Abendstimmung unterwegs
  • Unterwegs treffe ich zwei Personen auf Einrädern, werde freundlich bei Wegunklarheiten beraten und darf meine Wasserflaschen in anderer Leute Küchen auffüllen. Bei einer Portion Pommes entwickelt sich ein Gespräch mit einem der Pizza-Lieferanten. Er ist beeindruckt von meiner Tour und perplex, dass ich kein Fleisch möchte. Auf meine Feststellung, dass ich offensichtlich fit genug bin, meint er nur „Ich brauche das einfach, jeden Tag so ein richtig saftiges Stück, sonst geht’s nicht“. Wir unterhalten uns noch ein wenig – ich scheine ein Mysterium für ihn zu sein und er grübelt nach wie vor, wie man ohne Tier zu essen leben kann – dann trennen sich unsere Wege.
An der Donau

Auf dem Donau-Radweg unterhalte ich mich während ein paar Kilometern mit einem Paar aus Israel. Themen sind unter anderem ökologische Landwirtschaft – der Mann schwärmt von den neuen Technologien und wie man Pflanzen noch besser spritzen kann. Auch über Konsum reden wir (Brauchen und wollen wir Kleiderläden, die bis Mitternacht geöffnet haben?) und über das Reisen. Die beiden scheffeln Kilometer wie am Schnürchen, im Herbst wollen sie mit einem Van durch die Innerschweiz touren. Ich erzähle von unserem hervorragenden öV-System und die tollen Angebote für Tourist*innen, dann trennen sich auch unsere Wege.

  • Die letzten Kilometer lege ich an einem bewaldeten Kanalufer zurück und merke: Gegenüber Asphalt und Sonne sind Schotter und Schatten eine Wohltat und gefühlt fünf Grad kühler.

Was durch diese beiden Fahrradtage bestätigt wurde: Das Fahrrad als reines Fortbewegungs- und Transportmittel taugt eher für kürzere Strecken. Fahrradtouren lohnen sich auf jeden Fall, dann sollte aber eher der Weg das Ziel sein.

30.07.2018: die zweite Woche beginnt

CHARLOTTE

 

EVA UND MARIA

Hiking! In letzter Minute haben wir uns für das Wanderabenteuer entschieden und sind doch nicht auf Velos umzusteigen. Der etwas ledierte Fuss schien Laufen doch nicht ganz abgeneigt zu sein und auch uns zog es in die Höhe. Während der Zugfahrt versuchten wir die Route etwas kürzer zu gestalten. Nach ein paar Anrufen wurde aber klar, dass alle Hütten komplett ausgebucht sind. Somit blieben wir bei unserer alten Route. Beim Start unserer ersten geplanten Etappe übersahen wir das Umleitungsschild grosszügig und landeten schliesslich im Baustellengraben, den wir locker durchkletterten.

Wir genossen den Hüttenaufenthalt und da unsere neue Wanderbekanntschaft von einem leichteren Rucksack träumte, wurden wir zum Schluss des Tages noch reichlich mit Dörrtomaten beschenkt. Heute erblickten wir die atemberaubende Natur der Dolomiten und freuten uns  zu früh über eine Übernachtung in der hochgelobten Büllelejochhütte.

Leider hatten wir uns bei der Buchung mit dem Datum vertan. So standen wir ohne Schlafplatz im Hochgebirge. Als letzter Ausweg tauchen wir unangemeldet in der nahe gelegenen Drei Zinnen Hütte auf, wo wir mit grossem Glück in den Genuss eines luxeriösen Zweierzimmers kamen. Eigentlich ist auch diese Hütte zum Bersten voll und wir können etwas Luft von der UNESCO-Chilbi schnuppern. Aus der Küche duftets jedenfalls schon wunderbar nach Abendessen :-).

 

VERONIKA

Mir wurde die Aufgabe gestellt, ein Essen mit / für andere(n) Menschen zu kochen – mit Zutaten aus dem Umkreis von 50 Kilometern. Kein Problem! Per Zufall hatten wir nämlich genau das getan, bevor ich überhaupt von der Aufgabe wusste. Hier das Menü:

Nudeln (aus der Region)

Tomatensauce

  • Tomaten aller Grössen, Farben und Sorten aus dem eigenen Garten

   

  • Paprika (schweiz. „Peperoni“) aus dem eigenen Garten
  • Zwiebeln und Knoblauch aus der Region
  • Basilikum aus dem eigenen Garten
  • selbst hergestelltes Kräutersalz mit Kräutern aus dem eigenen Garten

Pilzsauce

  • verschiedene Pilze aus eigener Produktion (ja!!) und dem angrenzenden Wald

  • Petersilie aus dem eigenen Petersilienwald im Garten
  • Soja-Sahne… hätten wir es gewusst, wäre auch ein regionaler Weisswein gegangen. Naja. Das Soja wird auf jeden Fall in Europa produziert, Österreich oder Frankreich, wenn ich mich nicht irre.

Damit hatten wir also eine wunderbar nahrhafte und leckere Mahlzeit, ganz ohne Tier und ohne viele Kilometer. Leider gibt es vom Endprodukt kein Foto – wir waren hungrig und das Essen war gut… Aber probiert es einfach selbst aus, es schmeckt!

 

KATJA UND MIMI

Nachdem wir dank der Interaktionschallenge einen wunderbaren letzten Abend in Prag verbringen durften, ging es am Vormittag weiter in Richtung Bratislava.

Während der vierstündigen Zugfahrt lassen wir die vergangenen vier Tage Revue passieren. Unser Fazit von Prag: unglaublich prunkvolle Architektur, viele schöne Parks / Aussichts-punkte und tolle Leute. Aber als Fünfplatzierte auf der Liste der meistbesuchten Städte Europas bekommt man den Massentourismus schon auch immer wieder zu spüren.

In Bratislava angekommen, fällt uns als erstes die Gemächlichkeit auf. In aller Seelenruhe sind die Menschen unterwegs, das steckt uns an! Völlig entspannt schlendern wir nach dem Einchecken im Hostel durch die Gassen der Altstadt und lassen die Stadt etwas auf uns wirken.

Auf Empfehlung haben wir im Slovak Pub zu Abend gegessen. Wir waren anfangs etwas skeptisch, da es schon sehr nach einem Restaurant einzig und allein für Tourist_innen aussieht. Wir sind aber vom Ambiente positiv überrascht und auch das Essen spricht für sich. Wir probieren Bryndzové halušky, wahrscheinlich das typischste Slowakische Gericht: Kartoffelspätzli an einer Sauce aus slowakischem Schafsmilchkäse (bryndza).

Das Slovak Pub stellt die Produkte alle selbst her und zwar auf ihrem eigenen Bio-Bauernhof: wir sind Fan!

Nach einer ziemlich kurzen Nacht (momentan sinken die Temperaturen Nachts nur selten auf unter 20 Grad, was das Schlafen erschwert), machen wir uns im Hostel daran, ein bisschen Wäsche zu machen. Zum Glück besitzt unser Hostel mehrere Waschmaschinen und das gute an der Hitze: alles trocknet sehr schnell.

Den restlichen Tag verbringen wir Glace essend und lesend am Donauufer und geniessen die Sonne. Dabei fallen uns speziellen Sitzbänke auf: mit Solarpanels ausgestattet, sammeln sie Energie und bieten dafür verzweifelten Smartphonenutzer_innen eine Steckdose, um ihren Geräten neues Leben einzuhauchen. Die Idee finden wir spannend und nach kurzer Internetrecherche (Wifi gibt’s auf diesen Bänken nämlich auch), finden wir heraus, dass es sich dabei um Steora street benches vom Start-Up include handelt. Auf ihrer Website schreiben sie: Our mission is to find undiscovered potential around us, and use it to create amazing technology products, designed to improve lives of urban users.

Nicht nur Bratislava hat diese Hightech-Strassenmöbel, auch in anderen europäischen und nicht-europäischen Städten sind sie zu finden (u.a. Prag, Budapest, Stockholm, Dubai). Angeblich auch irgendwo in der Schweiz, wo genau haben wir leider nicht herausgefunden.

Mehr Infos hier: https://www.include.eu/de/steora//

Morgen wird wieder viel gelaufen: auch Bratislava hat einen Schlosshügel, welcher darauf wartet von uns erklommen zu werden. Wir melden uns dann wieder mit den schönen Panoramafotos.

29.07.2018

CHARLOTTE

TEAM UNFASSBAR

Ufer, Unfälle und Unfassbares

Die Strecke von Koblenz nach Basel entlang des Rheinufers ist ebenso geschichtsträchtig wie widersprüchlich.

Die historische Uferlandschaft ist weit vor der Römerzeit besiedelt. Die Fischerei und Fähren prägten die Wirtschaft von Augst im Mittelalter. Heute lädt ein Rhein mit Tiefststand zum zwar angenehmen aber eigentlich viel  zu warmen Bade.

Die Römerstadt Augusta Raurica hat Augst den Namen verliehen

Die Burgergemeinde hat den altehrwürdigen Gasthof direkt am Ufer stilvoll restauriert. Der am 14. Juli neu eröffnete „Adler“ beherbergt nicht etwa Adler auf seinem Dach, sondern:

Die unfassbar freundliche Wirtin findet unsere Mission so toll, dass sie uns mit einer grosszügigen Spende beglückt. Unfassbar!

In Kaiseraugst könnte ein Kernkaftwerk stehen wie hier in Leibstatt. Dieses ist aber am geschichtlich einmaligen Widerstand der Bevölkerung gescheitert, die das Baugelände 1975 während 11 Wochen ununterbrochen besetzte, bis das Projekt schliesslich 1988 ganz fallengelassen wurde.

Vielleicht hat der Chemieunfall von Schweizerhalle 1986 – der grösste in der Schweiz – mit zum Umdenken geführt. Das Löschwasser nach einem Grossbrand bei SANDOZ, führte zu einem Fischsterben im Rhein bis Mannheim. Gerade als wir hier durchfahren, erreicht uns die Nachricht vom Brand in Basels Rheinhafen.

Melanie erzählt uns an der Bar auf dem Tellplatz im „Gundeli“ davon: „Wir haben den beissenden Rauch in der Wohnung mehr als 2km entfernt gespürt gestern. ‚Bleibt in der Wohnung und schliesst die Fenster‘ war die Anweisung am Radio“, kommentiert sie, „gleichzeitig hörten wir: ‚Für die Bevölkerung hat keine Gefahr bestanden‘ – ist das nicht ein Widerspruch?“ Das gibt herausfordernde Bar-Gespräche. Niemand der Anwesenden möchte in einem solchen Moment zum Krisenstab gehören.

EVA UND MARIA

Recycling-Upcycling-Downcycling-Bicycling?

Nach dem wir vor verschlossener Tür der Jugendherberge gestanden sind, haben wir uns auf den Weg ins Upcycling-Studio gemacht, ein nachhaltiges, kreatives Projekt, das wir im Internet ausfindig gemacht haben. Leider mussten wir den Hinterhof etwas länger suchen, aber zum Glück hatten wir uns mit Vitaminen aus unserem Garten noch gestärkt.

Bei Hannes und Co. erhielten wir einen spannenden Einblick, wie man alte Dinge aufwerten kann (Upcycling). Besonders gelungen fanden wir den Tisch aus einer alten Scheunentür oder die alten Bauernlampen, die durch Sandstrahlen wieder das Flair von Designobjekten erhielten.

 

An unserem zweiten Tag ging es auf Picknickseinkaufstour in die Markthalle und danach zur dringend benötigten Abkühlung zum Lanser-See oberhalb der Stadt.

In der Ruhe am See hatten wir Zeit das Programm der nächsten Tage zu überdenken, da Eva’s Fuss sich der Wanderung zuverweigern droht. Daher bleib die Frage: Hinking or Bicycling?

Die Interaktions-Challenge „Führt im Zug ein gespräch übers (nachhaltige) Reisen“ haben wir bewältigt. Wir erfuhren von unseren Sitznachbaren im Zug, dass sie ihre Ferien sehr gerne mit der ganzen Familie über drei Generationen auf einer Alp im Ötztal verbringen. Die Anreise bewätigen sie stets mit Zug und Fussmarsch, was für sie entspannend ist.

 

KATJA UND MIMI

Als die zweite Interaktionschallenge bei uns eintraf, wissen wir eigentlich sofort, mit welchem Projekt wir gerne sprechen möchten: Rekola.

© rekola

Schon die ganzen Tage vorher sind wir Fans von den pinken Fahrrädern, die überall in Stadt verteilt sind. Problem: wir haben nur noch einen Abend in Prag, da wir am nächsten Tag nach Bratislava weiterreisen. Trotzdem haben wir sofort eine Mail geschrieben, welche zu unserem Glück in gleich schnellem Tempo beantwortet wird! Wir haben uns mit Jakub Fikejzl zum Abendessen getroffen und er hat uns alles über dieses Projekt erzählt.

Zuerst der Name: er setzt sich aus Re für Recycling und kolo, Fahrrad auf Tschechisch, zusammen. Das lässt auch schon ziemlich gut durchscheinen, was das Ziel ist: ein Bikesharing-Service in Prag. Alles begann mit ein paar Studierenden, die Fahrräder einsammelten, die entweder kaputt waren oder sonst nicht mehr gebraucht wurden, sie auf Vordermann brachten (inklusive rosaroter Anstrich, das sollte Diebe fernhalten) und sie dann wieder  verteilten, damit andere Studierende sie benutzen konnten. Diese Fahrräder hatten noch keine Schlösser, weshalb leider nach und nach immer mehr davon verschwanden. Das System begann erst richtig zu funktionieren, als Rekola eine App einführte. Auf dieser kann man sehen, wo sich ein Fahrrad befindet, bekommt den Zahlencode fürs Schloss und kann auch ganz einfach melden, falls etwas mit dem Fahrrad nicht in Ordnung sein sollte. Die ersten 15 Minuten Fahrt sind sogar gratis! Zusätzliches cooles Feature: jedes Fahrrad hat einen Namen und auf der App kann man diesen, plus mehr Infos dazu sehen. Es gibt also sowohl ein Harry Potter als auch ein Luke Skywalker Fahrrad in Prag – beide warten nur darauf gefunden zu werden.

Das System wurde so erfolgreich, dass es Rekola gelang, insgesamt sieben tschechische Städte mit Fahrrädern auszustatten. Obwohl dieses Wachstum natürlich erfreulich war, brachte es auch Probleme mit sich. Vor allem in Prag wurden die Fahrräder immer mehr genutzt (auch von Touristinnen und Touristen) und gingen so schneller kaputt. Die Reparatur gestaltete sich als mühsam, da die recycelten Fahrräder ja alle unterschiedliche Teile benötigten. Im Jahr 2016 gab es für Rekola eine neue finanzielle Möglichkeit und sie entschieden sich, ab jetzt ihre eigenen Fahrräder herzustellen. Das führte zuerst zu Unzufriedenheit, da es dem ursprünglichen Recyclinggedanken widerspricht, aber für Rekola war es die einzige Möglichkeit, längerfristig zu überleben. Und sie achten bei ihren Fahrrädern auf Nachhaltigkeit. Alle Teile stammen so weit wie möglich aus Tschechien oder der EU. Und wie gesagt werden kaputte Fahrräder nicht entsorgt (wie andere Bikesharing-Anbieter dies zu tun pflegen – Jakub zeigt uns eindrückliche Bilder von sogenannten bike graveyards), sondern repariert und dann wieder zum Einsatz gebracht.

Eine weitere Problematik ist die Fahrradunfreundlichkeit Prags. Nicht nur gibt es überall sehr viele Autos, sie werden auch politisch bevorzugt. Jakub erzählt, dass es wohl bald ein Gesetz geben soll, das Fahrräder in der Altstadt verbieten wird, weil es zu gefährlich sei (Autos werden natürlich weiterhin erlaubt sein).

Es bleibt also viel zu tun, um Prags Verkehr nachhaltiger zu gestalten und Rekola will an vorderster Front dabei sein. Für eine Städtereise finden wir Fahrräder das perfekte Fortbewegungsmittel. Falls ihr also in Prag seid, haltet definitiv Ausschau nach den leuchtend pinken Rekola-Fahrrädern.

Mehr Infos zu Rekola findet ihr auf ihrer Homepage: www.rekola.cz

Last but not least: dear Jakub, we wanted to thank you again in the big world wide web. It was so to talk to you, exchanging stories and laughs. Thanks for taking the time to meet us and also showing us around! #bestguideinprague 😍 (look we’ve used a hashtag!)

 

JILL UND JEREMIAS

Deich, Dorf und Schafgeblöke. Zugegebenermassen, der Küste nachzufahren kann ganz schön ermüden. Rechts, flachflachflach und grüngoldene Felder bis zum Horizont, links das platte Watt, die immer verschwundene See, ein Meer lässt auf sich warten. Und dazu Gegenwind, dass die Windräder verrückt rotieren. Ein bisschen Jammerei darf ja sein. Und so schlimm ist es auch wieder nicht. Die nordöstliche Gegend der Niederlanden wirkt etwas vergessen, still und Efeu überwuchert reihen sich die winzigen Backsteinhäusschen an den staubigen Dorfstrassen. Vielleicht evakuiert sich die Gegend schonmal vorsichtshalber von selbst, sollten die meterhohen Dämme eines Tages nicht mehr dichthalten. Unheimlich schön!

Auf die weitreichenden Wiesen um sein grosszügiges Anwesen nahe Uithuizen, lädt ein freundlicher Gutsbesitzer eher der Gastfreundschaft halber als dem Geschäftssinn nach, Radreisende und Campers zum zelten ein. Dort begegnen wir Fritz, mit seiner Reise-Ente.

Für den begnadeten Mechaniker ist nachhaltig, was sich reparieren lässt und nicht kaputt zu kriegen ist. Mit seiner Ente fährt er auch nie schneller als 80 km/h, wodurch er mit 6 Liter Benzin auf 100 Kilometer auskommt, sammt Klappzeltanhänger und zusätzlichem Reisegweicht einer Hündin. Von Elektroautos hält er gar nichts, deren Herstellung verursache einen unverhältnismässigen Ressourcenverbrauch, der hinterher durchs Stromfahren nicht mehr wettgemacht werden kann. Aber unser Tandem findet er toll, und Radfahren sowieso! Mit Fritz lösen wir die gestellte Interaktions-challenge: „Ertauscht euch ein Souvenir mit Personen, die ihr ansprecht und ihnen euer Ziel erklärt“. Gesagt getan, ein Hollunderblütensirup aus einem Selbstbedienungsladenkasten und ein Bier tauschen sich aus! Jüüüüüssssiii

 

VERONIKA

Keine Zeit für Worte, es wird gestrampelt von der Früh bis in die Nacht. Morgen mehr.

Reiseroute Veronika vom 29.7.