31.07.2018

KATJA UND MIMI

Die nächste Interaktionschallenge „Bittet jemanden eine Postkarte für euch zu schreiben und somit eueren Freunden zu erklären wo ihr seid und was ihr tut“ endete in einer superschönen Hostelfreundschaft. Wir haben unsere Mitbewohnerinnen aus Holland gebeten, die Karte zu schreiben. Sheranie und Samanta sind ebenfalls Schwestern, die am interrailen sind. Was für ein Zufall!

Die Karte schreiben sie auf sehr kreative Art und Weise wie ihr auf den Fotos sehen könnt. Sie haben einen ganzen Brief geschrieben und an die Karte geklebt. Damit dieses Kunstwerk nicht zerstört wird, haben wir die Karte also nicht auf traditionellem Weg versendet, sondern in ein Couvert gesteckt. Unser Bruder wird sich bestimmt darüber freuen 😉 (er liest diesen Blog, also Philipp: spoiler alert!)

Wir haben uns natürlich mit ihnen über unsere Challenge unterhalten. Dabei stellte sich heraus, dass Sher in einem Hostel in Utrecht arbeitet und da «sustainability ambassador» ist. Wir unterhalten uns lange über Nachhaltigkeit in Hostels und Tourismus allgemein.

Shers Hostel heisst Stayokay und ist eine Hostelkette in Holland, sie haben zum Beispiel ein zero waste Frühstück, alle ihre Arbeitskleidung besteht aus recycelter Kleidung etc.

Mehr Infos: www.stayokay.com

Wir verstehen uns also richtig gut und geniessen einen super letzten Abend in Bratislava, bevor sie nach Prag und wir nach Budapest weiterreisen.

Thanks for the fun times girls ♥

 

JILL UND JEREMIAS

Von Uithuizen ist es ein eher kurzes Stück, bis wir kurz vor Leer die Grenze zu Germanien passieren. Wir radeln landeinwärts in Richtung Varel und von dort noch ein bisschen zum schwimmenden Moor. Wie, was jetzt? Ein Moor soll schwimmen? Verstehen wir auch nicht und stellen unser Tandem erstmal zum Strand hin, weil da drüben siehts nach Fritten aus. Dazu ein friesisch-herbes Jever. Wir selbst sportlich, gut gebräunt und noch besser gelaunt, setzen uns auf die Holzbänke und fühlen uns wie eine Idee aus einer Werbeagentur. Im Hintergrund, das Wogen von Küstengras, dazu einsetzender Sonnenuntergang. Ihr wisst schon, eine Bierwerbung. Oder so.

Auf jeden Fall trifft uns ganz unverhofft das Glück, dass wir von Claus angesprochen werden. Ihm gefällt unser Tandem und nach kurzem Gespräch, unser Vorhaben und Reiseweg. Und ihm fällt auch gleich einiges zu erzählen ein.

Vom Friesenland, von den verschiedenen Dialekten, von den Oldenburgern, die den Deich vor seinem Haus anno dazumals errichten liessen und vielem mehr. Schliesslich auch mit viel Begeisterung vom schwimmenden Moor, einer touristischen Sensation, zumindest für diejenigen, die sich für die komplexen geo- und hydrologischen Zusammenhänge interessieren, die das Moor schwimmen lassen. Das bewaldete Moorgebiet liegt vor dem Deich zum Wasser des Jadebusens hin. Bei Sturmfluten und Hochwasser hebt sich der ganze Grund mit an und steigt mit dem Wasser hoch nach oben. Das heisst, die Bewohner der Häuser auf der anderen Deichseite sehen dann aus ihrem Küchenfenster die Baumwipfel des Moorwaldes. Ein faszinierendes Schauspiel, welches aber bedroht ist, da dass Moor immer kleiner wird.

Wir verbringen einige Zeit in Clausens Garten und freuen uns darüber, dass wir mit ihm „eine Person finden die kein Auto hat“ gefunden haben, eine weitere Interaktionsaufgabe, und fragen ihn gar erst nicht nach dem weshalb und wieso. Das erzählt er schon von selbst, geschwätzig wie er ist. Er sei zu alt und zu gut im Schuss für ein Automobil, die Füsse tragen ihn zuverlässig auf den Spaziergängen ums Haus und die Waden treten kräftig in die Pedalen, wenn er mal zum Bahnhof hin und wegfährt. Wir verabschieden uns etwas schwermütig über die leider nur kurze Begegnung und fahren weiter, Bremerhaven im Sinn, in Richtung Osten. Oh, Hamburg ist ja gar nicht mehr weit!

 

TEAM UNFASSBAR

Bernhard und Tobias haben uns am Ökozentrum besucht. Danke für den netten Besuch!

Und hier kommt ein Video der zwei:

CHARLOTTE

Die Interaktionsaufgabe „Frag Leute nach ihren Sommerferien-Destinationen, mach eine Liste und unterhalte dich mit ihnen über nachhaltiges Reisen“ ist erfolgreich gelöst.

 

VERONIKA

Berichte über Reisen sollte man ja immer möglichst zeitnah verfassen, damit die Erinnerungen noch frisch sind. In meinem Fall würde der Bericht über die beiden Fahrradtage am 26. und 29.7. in etwa so klingen: heiss, lang, Tiere, hügelig, aua, Wassernot, Berge, weit, Wegweiser suchen, Schmerz, Proviant?, Sonnencreme, Kilometer, tote Tiere, HIMALAYA, noch heisser, Durst…

…ihr seht das Muster. Und ich möchte auch nichts beschönigen, beide Tage waren lang und anstrengend, für den Körper wie den Geist. Trotzdem möchte ich ein paar Punkte der beiden Tage herausheben:

  • In den frühen Morgenstunden, an der Trais auf dem Weg nach St. Pölten, komme ich mir vor wie im Paradies. Mäuse huschen über den Weg, Hasen hoppeln auf der Wiese umher, ein Reh begutachtet den Mais. Im Verlauf der Tour entdecke ich noch viel mehr Tiere, tote wie lebendige: viiiiiele Rehe, einen Maulwurf, Frösche und Kröten, Mini-Eidechsen, verschiedenste Vögel (Störche, Milane, Singvögel…), Raupen, Ameisenheere, Unmengen an Ziesel (Exkurs zu Zieseln: gehören zu den Erdhörnchen. Weibchen vererben ihren Bau an ihre Töchter, die Männchen werden vertrieben. Ausserdem überleben die Weibchen die Männchen um fünf Jahre, was bei einer Lebenserwartung von 11 (weib.) respektive 6 (männ.) Jahren eine ganze Menge ist.)
Morgenstimmung
  • Das Waldviertel eignet sich nicht wirklich für längere Touren mit Gepäck. Es ist hügelig und nach jeder, und zwar wirklich jeder Abfahrt wartet ein umso steilerer Anstieg. Runter gehts in 30 Sekunden mit 12% Neigung, hoch in 30 Minuten mit 13%. Manchmal folgt nach einem Anstieg auch keine Abfahrt, sondern einfach ein nächster Anstieg. Ich zweifle nicht nur einmal an mir und frage mich ernsthaft, warum ich mir das eigentlich antue. Scheiss auf öko, das nächste Mal nehm‘ ich das Auto.

Dann merke ich wieder: Es macht mir Spass zu sehen, was ohne Sprit möglich ist. Es ist spannend, den Körper an seine Grenzen zu bringen und darüber zu staunen, was für Energien in uns stecken. Und es ist alles eine Frage des Anspruch: Auf zwei oder drei Tage verteilt, wäre es eine wunderschöne Tour gewesen. Ich wollte innerhalb eines Tages ankommen, und deshalb die Strapazen auf mich genommen. So wie sonst die Umwelt für unsere Bequemlichkeit „zahlt“, zahlen in diesem Fall mein Körper und mein Geist. Mit dem Unterschied, das letztere sich schnell regenerieren (wenn man denn nicht übertreibt und seinen Körper ruiniert). (Kurze Anmerkung und Empfehlung: Von Gföhl nach Krems über Senftenberg ist die schönste Strecke überhaupt. Etwa 45 Minuten Abfahrt, schnell, kurvig, durch den Wald. Unglaublich schön und befreiend.)

Abendstimmung unterwegs
  • Unterwegs treffe ich zwei Personen auf Einrädern, werde freundlich bei Wegunklarheiten beraten und darf meine Wasserflaschen in anderer Leute Küchen auffüllen. Bei einer Portion Pommes entwickelt sich ein Gespräch mit einem der Pizza-Lieferanten. Er ist beeindruckt von meiner Tour und perplex, dass ich kein Fleisch möchte. Auf meine Feststellung, dass ich offensichtlich fit genug bin, meint er nur „Ich brauche das einfach, jeden Tag so ein richtig saftiges Stück, sonst geht’s nicht“. Wir unterhalten uns noch ein wenig – ich scheine ein Mysterium für ihn zu sein und er grübelt nach wie vor, wie man ohne Tier zu essen leben kann – dann trennen sich unsere Wege.
An der Donau

Auf dem Donau-Radweg unterhalte ich mich während ein paar Kilometern mit einem Paar aus Israel. Themen sind unter anderem ökologische Landwirtschaft – der Mann schwärmt von den neuen Technologien und wie man Pflanzen noch besser spritzen kann. Auch über Konsum reden wir (Brauchen und wollen wir Kleiderläden, die bis Mitternacht geöffnet haben?) und über das Reisen. Die beiden scheffeln Kilometer wie am Schnürchen, im Herbst wollen sie mit einem Van durch die Innerschweiz touren. Ich erzähle von unserem hervorragenden öV-System und die tollen Angebote für Tourist*innen, dann trennen sich auch unsere Wege.

  • Die letzten Kilometer lege ich an einem bewaldeten Kanalufer zurück und merke: Gegenüber Asphalt und Sonne sind Schotter und Schatten eine Wohltat und gefühlt fünf Grad kühler.

Was durch diese beiden Fahrradtage bestätigt wurde: Das Fahrrad als reines Fortbewegungs- und Transportmittel taugt eher für kürzere Strecken. Fahrradtouren lohnen sich auf jeden Fall, dann sollte aber eher der Weg das Ziel sein.